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Aufruf zu weltweiten Aktionstagen: Für eine Welt ohne Pogrome, für eine Zukunft ohne Faschismus

Aufruf zum Handeln in Solidarität mit dem Internationalen Tag gegen Faschismus und Antisemitismus, der seit 2013 in Europa und anderswo stattfindet.

Ursprünglich von Outlive Them veröffentlicht.

Hinweis: Enough is Enough organisiert keine dieser Veranstaltungen und Aktionen. Wir veröffentlichen diesen Text, damit Menschen in den USA und Europa sehen können, was passiert. Dieser Text wurde nur zur Dokumentation veröffentlicht.

Solidaritäts-Aufruf

Für eine Welt ohne Pogrome, für eine Zukunft ohne Faschismus

8. bis 11. November 2018

#AntiFascistFall #CancelFascism #OutliveThem

Letzten Freitag haben Proud Boys [eine rechtsextreme, männerbündische Organisation] – geschützt von der Polizei – in der New Yorker Upper East Side einen gewalttätigen, homophoben Angriff auf Antira-Aktivist*innen verübt. Dieser neueste Angriff ist Teil sich verschärfender antisemitischer, islamophober und fremdenfeindlicher Gewalt rund um den Globus seit der Wahl Trumps 2016, von Chemnitz bis Charlottesville.

Der 9. November markiert auch das 80-jährige Jubiläum der Kristallnacht, des so genannten «November-Pogroms», währenddem deutsche Nationalist*innen unter dem Kommando der obersten Nazi-Führung tausende Jüd*innen ermordert, vergewaltigt, brutal entmenschlicht und über 1200 Synagogen verwüstet und entweiht haben.

Doch heute schlagen Jüd*innen zurück, wie wir es schon immer getan haben. Heute, im Geist unseres jahrhundertealten Widerstands unserer Bevölkerung gegen Rassismus, Faschismus und «Gefängnis-Kapitalismus» [carceral capitalism]) rufen wir Jüd*innen von überall dazu auf, sich – zusammen mit unseren Verbündeten – an den globalen Aktionstagen vom 8.-11. November zu beteiligen.Wir sind Jüd*innen der Diaspora, Grosskinder der Shoah, Erb*innen des antifaschistischen Widerstands. Heute halten wir fest, dass ein Pogrom gegen jemanden von uns ein Pogrom gegen uns alle ist.

Unser Blut ist nicht leicht zu haben: Gewalt gegen unsere Communities wird nicht ignoriert. Die Gewalt gegen rassifizierte, religiöse, sexuelle und Gender-Minderheiten wird nicht unbeantwortet bleiben – Wir werden ihr entgegen treten, genauso wie der Regierung, die diese Gewalt billigt, der Kirche, die diese segnet oder der herrschenden Klasse, die von ihr profitiert.

Vom 8.-11. November werden wir lauthals singen und das Überleben unserer Leute feiern. Wir werden Kaddish [ein jüdisches Trauergebet] sagen für jene, die ihr Leben im Kampf gegen den Faschismus gelassen haben. Wir werden Taten des Kherem [vereinfacht: Ächtung, totale Zerstörung des Feindes] begehen und jene Jüd*innen exkommunizieren, welche die Faschist*innen unserer Zeit begünstigen. Und wir werden den Institutionen, den Parteien und privaten Unternehmen entgegentreten, die mit ihrer genozidalen Agenda kollaborieren.

Auf der anderen Seite werden wir der Welt zeigen, dass die wahre Gefahr für unsere Sicherheit als Jüd*innen nicht unsere muslimischen Nachbar*innen sind, sondern «westliche Chauvinist*innen», christliche Suprematist*innen und weisse Nationalist*innen – die Möchtegern-Pogromist*innen unserer Zeit.

Heute beginnend und fortgesetzt bis 5779 [beim jüdischen Kalender beginnt die Zählung mit dem Jahr der Weltschöpfung, das aus der Bibel mit 3761 vor christlicher Zeitrechnung errechnet ist. Das Jahr 2018 nach christlicher Zeitrechnung ist also das Jahr 5779 nach jüdischer Zeitrechnung] und darüber hinaus, werden wir ein internationales Netzwerk von antifaschistischen Jüd*innen und deren Verbündeten (wieder) aufbauen. Von den Strassen, in denen wir wohnen, zu den Orten, an denen wir arbeiten und spielen: Wir werden uns organisieren, um all unsere Communities vor jenen zu beschützen, die uns auslöschen wollen.

Wir laden euch ein, mit uns zu kämpfen: Für eine Welt ohne Pogrome. Für eine Zukunft ohne Faschismus.

outlivethem1

 

Aktionen

1. Markiert den 8.-11. November in eurer Agenda. Ruft eure eigenen Leute zu Aktionen während dieser Tage auf, in Solidarität mit diesem Aufruf, der aus der jüdischen Community stammt, und mit dem Internationalen Aktionstag gegen Faschismus und Antisemitismus(*). Benutzt dazu die Hashtags #AntiFascistFall #CancelFascism #OutliveThem. [für die Schweiz: benutzt ebenfalls #antifarally]

2. Verbreitet die Infos zu dem Aktionswochenende grosszügig. Entwerft euren eigenen Aufruf: benutzt oder verändert unsere Worte, Bilder und Ressourcen, wie es euch am besten passt. Entwerft eine eigene Strategie, die zu eurem Quartier, eurer Stadt oder eurer Region am besten passt und identifiziert lokale Ziele für gewaltfreie direkte Aktionen.

3. Zusammen sind wir stark. Meldet euch bei Gruppen, die bei euch in der Gegend bereits Widerstand gegen die extreme Rechte und den Terror des Staates leisten oder gründet eine eigene. Organisiert gemeinsam eine Aktion. Bildet solidarische Verbindungen zu anderen unterdrückten Communities welche den #AntiFascistFall überdauern werden.

4. Dokumentiert eure Aktionen und jene der Unterdrücker*innen. Teilt Bilder, Geschichten und Artikel in euren sozialen Netzwerken (mit den Hashtags). Teilt sie auch mit uns, per Mail an wewilloutlivethem@protonmail.com. Bitte schickt uns nur soviele sensible Informationen, wie für die Teilnehmenden eurer Aktion in Ordnung ist.

5. Passt auf euch auf, seid klug und gefährlich. Denkt an die Bedürfnisse, Kapazitäten und Verwundbarkeiten der Leute in eurer Gruppe. Plant Aktionen mit wenig Risiko, damit jede Person und auch deren yiddische Mama teilnehmen kann. Leute können auch Aktionen mit höherem Risiko planen. Wir bitten darum, dass alle, die diesem Aufruf folgen, bereit sind, sich im Falle von Verhaftungen, Haft oder Repression gegenseitig zu unterstützen.

Diesen November gedenken wir. Diesen November organisieren wir uns. Diesen Kislev [jüdischer Monat Nov./Dez.; der jüdische Kalender orientiert sich nicht am Sonnenjahr, sondern nach den Mondphasen] schlagen wir zurück.

(*)Diese Aktion steht in Solidarität mit dem Internationalen Tag gegen Faschismus und Antisemitismus, den es in Europa und anderswo seit 2013 gibt, wird jedoch unabhängig davon organisiert.

@outlivethem
outlivethem.wordpress.com

#AntiFascistFall #CancelFascism #OutliveThem

Vorschläge für weitere Aktionen

Auf der Homepage listet die Gruppe auch weitere Ideen zu Solidaritätsaktionen auf, die uns als Inspiration dienen können, siehe: https://outlivethem.wordpress.com/suggested-actions/

Hier die deutsche Übersetzung:

Das Gedenken an die Kristallnacht durch die Konfrontation mit Faschist*innen und ihren Sympathisant*innen kann ganz unterschiedlich aussehen. Wenn du einen Ausgangspunkt brauchst, hier sind ein paar Beispiele:

• Halte ein Sit-in in der Lobby einer Firma, die die Geschäfte von Faschist*innen finanziert oder davon profitiert.

• Halte einen Yizkor [Gedenk]-Gottesdienst für die Toten der Shoah – und für alle, die im Kampf gegen den Faschismus gefallen sind.

• Organisiere ein gemeinsames Treffen mit deinen nichtjüdischen Gefährt*innen zu den Themen Antisemitismus, Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit und «Anti-Black»-Rassismus.

• Zusammen mit 10 Freund*innen, halte ein Selbstverteidigungs- oder Interventionstraining in deiner Stube ab.

• Starte einen Boykott von weissen-suprematistischen Unternehmen in deiner Nähe.

• Lade bei deinem nächsten Schabbat-Dinner Gäste ein, um Schritte zu diskutieren, die ihr unternehmen könnt, um den Faschismus aus eurer eigenen Community zu beseitigen.

• Organisiere eine Gesangs-Aktion, ein musikalisches Treffen, eine dramatische Performance oder ein künstlerischer Akt an Orten des antifaschistischen Widerstands und geht von dort aus zu den Konsulaten der Staaten, in denen Pogrome oder versuchte Pogrome ungestraft stattfinden: Australien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Indien, Israel-Palästina, Myanmar, Polen, Russland, Türkei, Ukraine, Vereinigte Staaten von Amerika; haltet bei eurer dortigen Ankunft eine Rede.


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