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Versuchter Hausbesetzung in der Gravenstraße und Polizeigewalt [Amsterdam, Niederlande]

Amsterdam. Niederlande. 12. September. 2021. Heute, am Tag der Wohnraumproteste, gab es einen Versuch, das Gebäude in der Gravenstraat 26-28 zu besetzen. Tausende von Menschen gingen auf die Straße, um gegen die sogenannte Wohnungskrise zu demonstrieren – die Knappheit und Ausbeutung auf dem Wohnungsmarkt, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und den unverhältnismäßigen Anstieg der Mieten.

Bild oben: Demonstration gegen die Wohnungskrise in Amsterdam am 12. September 2021.

Ursprünglich veröffentlicht von Indymedia NL. Übersetzt von Riot Turtle.

Die Polizei setzte massiven Gewalt ein, um uns von dem Ort zu vertreiben, der unser neues Zuhause werden sollte. Von dem Moment an, als wir bei der Demonstration ankamen, wurden einige Aktivist*innen übermäßig von der Polizei überwacht und sogar verhaftet, weil sie ein Anti-Nazi-Symbol getragen hatten. Von Anfang an war die Polizei darauf aus, Aktivist*innen zu unterdrücken und zu schnappen. Die Brutalität der Polizei eskalierte, als wir auf dem Dam-Platz ankamen. Wir wurden verprügelt, von Zivis aus der Menge gezerrt und einige von uns wurden sogar zu Boden geschlagen, bis sie bluteten und von Polizist*innen umgerannt. Die Polizei entschied sich bewusst für eine Eskalation, und wir hörten sie sogar sagen, dass sie absichtlich „aufs Ganze ging“.

Hausbesetzungen SIND Wohnungsproteste, und wir waren heute aktive Teilnehmer*innen der Demonstration. Die von der Polizei in die Welt gesetzte falsche Behauptung, wir seien von der Hauptgruppe der Demonstrant*innen abgekoppelt, ist lächerlich. Der Protest stand für die gleichen Werte wie wir. Hausbesetzungen sind traditionell einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Teil der Bekämpfung der Wohnungskrise. Wohnen ist ein Grundbedürfnis zum Leben, und wenn es nicht vom Staat und der Gesellschaft bereitgestellt wird, dann nehmen wir es uns. Heute haben die Polizei und der Staat gezeigt, dass sie sich einen Dreck um bezahlbaren und guten Wohnraum scheren, sondern lieber Leute verhaften und verprügeln.

Wir leben in einer Stadt, in der jedes Haus gebraucht wird. Stattdessen dürfen Spekulanten wie Rogier Thewassen Häuser verrotten lassen, anstatt Menschen darin wohnen zu lassen. Wir glauben, dass Hausbesetzungen ein mehr als legitimes Mittel sind, um die Wohnungskrise zu bekämpfen. Am Tag der Wohnraumproteste müssen wir die Dinge selbst in die Hand nehmen. Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Lebens und sollte für jeden verfügbar sein. Und wenn wir sie nicht bekommen, nehmen wir sie uns!

Die Häuser in der Gravenstraat gehören dem Spekulanten Rogier Thewassen, der Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirma Young Capital ist und 116 Häuser besitzt. Die Häuser stehen seit mehr als zwei Jahren leer und sind mit Brettern vernagelt. Wir finden es inakzeptabel, dass die Häuser leer stehen, während wir obdachlos sind und nach einer bezahlbaren Wohnung suchen. Wir werden verhaftet und weggeprügelt, während Spekulant*innen wie Rogier Thewassen mit ihren schmutzigen Spekulationsspielen davonkommen.

Die linksgrüne Bürgermeisterin Femke Halsema stellt sich systematisch auf die Seite der Spekulant*innen und hat in den letzten Jahren unzählige Gebäude wegen Leerstands räumen lassen. In der Zwischenzeit werden Immobilieneigentümer*innen kaum zur Rechenschaft gezogen und können weiter spekulieren, indem sie zusätzlich zum Gesetz über Hausbesetzungen und Leerstand prekäre Verträge über gewinnbringende Unternehmen anbieten, die sogenanntes „Leerstandsmanagement“ betreiben. Bei diesen Verträgen werden alle Mietrechte ausgehebelt. Politische Maßnahmen wie „Gute Vermieterschaft “ sind daher ein Reinfall. Heute hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Stadt Amsterdam immer auf der Seite der Spekulant*innen steht und ihren repressiven Polizeiapparat einsetzt, um uns daran zu hindern, ein neues Zuhause zu finden.

Aber Wohnungsknappheit bricht Gesetze! Hausbesetzungen werden weiterhin stattfinden. Hausbesetzungen werden weiterhin stattfinden, weil junge Menschen und andere Wohnungssuchende sonst noch mehr zum Spielball von Immobilienbesitzer*innen, Wohnungsbaugesellschaften und Anti-Hausbesetzungsagenturen werden. Hausbesetzungen werden weiterhin stattfinden, weil man sich ein Recht nehmen muss, wenn man es nicht bekommt. Hausbesetzungen werden weiterhin stattfinden, weil Eigentum kein Grundbedürfnis des Lebens ist, ein Dach über dem Kopf aber schon. Gegenüber Spekulant*innen, politischen Entscheidungsträger*innen und Wölfen im Schafspelz muss die Botschaft immer klar sein: Wenn wir es nicht bekommen, nehmen wir es uns! Hausbesetzungen werden weiterhin stattfinden!

Bild: Demonstration gegen die Wohnungskrise in Amsterdam am 12. September 2021. Bild vom Twitter-Account @kunsttranen.

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