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Die Pandemie hat die Mitarbeiter*innen-Überwachung revolutioniert

Während der Pandemie haben Konzerne und kleine Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen häufig ins Home Office geschickt. Nicht alle Chef*innen vertrauten ihren Beschäftigten und begannen, eben diese mit Softwarepaketen zu überwachen. Ein häufig genutztes Produkt: Microsoft365 – ein Kommentar von Stefan Pausitz.

Ursprünglich veröffentlicht von Perspektive Online. Persepktive Online gendert mit :

Für viele Unternehmen war es keine leichte Entscheidung ihre Beschäftigten ins Home Office zu schicken. Aber die Regierung machte Druck und ein Ausbruch in der Firma hätte ja auch tatsächlich das ganze Arbeitsleben lahmlegen können. Während in der Arbeitswelt zunächst die Mühlen etwas langsamer mahlten als gewohnt, vertrauten viele Unternehmen ihren Beschäftigten nicht. Die Pandemie wurde so zum Testfall für neue Methoden zur Überwachung der Mitarbeiter*innen.
Eine doppelte Belastung für die Psyche: ständige Erreichbarkeit und Stress

Flexible Arbeitszeiten durchzusetzen fiel dabei gerade am Anfang vielerorts leicht. Viele Beschäftigte haben sich zunächst darüber gefreut, eine oder zwei Stunden länger im Bett bleiben zu können. Die Kehrseite aber ist, dass wer über den Tag verteilt arbeitet, auch von morgens bis abends angerufen werden kann.

Klare Ein- und Ausstechzeiten sind passé und die Überstunden verschwinden irgendwo zwischen dem Gang zur Toilette und Kindern, die nach Aufmerksamkeit verlangen.

Es liegt in der Logik dieser Entwicklung, die Beschäftigten zukünftig nicht mehr nach Stundenlohn zu entlohnen, sondern beispielsweise projektbezogen mit fatalen Auswirkungen. Statt eines klaren Stundenlohns könnten „leistungsbezogene“ Entlohnungsmodelle drohen, bei denen nur bezahlt oder nur voll bezahlt wird, wenn bestimmte Aufgaben erledigt werden.

Microsoft bietet Überwachungsdienst an

Solche Entlohnungsmodelle setzen aber auch voraus, dass die Arbeiter*innen entsprechend überwacht werden. Mit Microsoft365 bietet der amerikanische Softwareriese ein solches Programm zur Produktivitätssteigerung an. 85% der deutschen Unternehmen haben 2020 auf die Produktpalette von Microsoft vertraut. Die Software wird als kleiner Allrounder in den Unternehmen eingesetzt. So können Dokumente, Präsentationen und Tabellen einfacher ausgetauscht werden. Zusätzlich können sich alle Beschäftigten in Privat- oder Gruppenchaträumen miteinander unterhalten – auch die Masse an den verwendbaren Smileys hat in den letzten Monaten stark zugenommen. Zusätzlich können projektbezogene Räume erstellt werden, App-Erweiterungen hinzugefügt oder die Videotelefonie mit anderen Unternehmen eingesetzt werden.

Microsoft kann hier also die Daten von ganzen Unternehmen, statt wie üblich von einzelnen Privatpersonen in der Cloud sammeln. Einen Teil der entsprechenden Daten teilt Microsoft seit Oktober 2020 auf Wunsch mit der Unternehmensführung. Ziel ist es, dass Unternehmen ihre Beschäftigten besser miteinander vergleichen können und so deren Produktivität besser überwachen lässt. So kann verglichen werden wie häufig der Chat benutzt wird, ob die Kamera bei Videomeetings eingeschaltet ist oder wie viele Mails über Outlook verschickt wurden.

Doch auch schon zu Beginn der Nutzung von Microsoft365 entstanden die ersten Stresssituationen für die Beschäftigten: Mit einem Ampelfarbensystem wurde allen anderen Beschäftigten angezeigt, wie lange die Maus auf dem Bildschirm stillstand. Egal, ob es der Gang zur Toilette, Frühstücks- oder Mittagspause oder ein betriebliches Telefongespräch ist: Die Maus musste ständig bewegt werden, damit die Unternehmensführung sehen kann, dass die Beschäftigten produktiv sind oder man läuft Gefahr als faul zu gelten.

Insgesamt 21 % der Beschäftigten sagen selbst, dass sie am Arbeitsplatz kontrolliert werden. Manager*innen dagegen sprechen von 38 %. Offenbar sind sich viele Beschäftigte also gar nicht bewusst, ob sie überwacht werden. Somit wächst seit der Pandemie der psychische Druck an den Heimarbeitsplätzen stets weiter.


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