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Prozess gegen die Zadist*innen: Wir versprechen, wir werden nicht aufhören! [ZAD de la Colline, Schweiz]

Nächste Woche finden die ersten Prozesse gegen die Zadist*innen am Bezirksgericht in Nyon statt. Zu diesem Anlass organisiert ein Kollektiv zur Unterstützung der Zadist*innen drei Tage der Mobilisierung, mit Demo, Theater, runden Tischen, Diskussionen und Ständen.

Ursprünglich veröffentlicht von Barrikade Info.

Im März wurde die erste ZAD der Schweiz von Hunderten von Polizisten geräumt. Dieser Tag markierte das Ende eines Ortes, aber nicht das Ende eines Kampfes. Neun Monate später sind wir immer noch mit den rechtlichen, finanziellen und emotionalen Folgen dessen konfrontiert, was an diesem Tag geschah. Es war eine „gewaltfreie“ Aktion, wie Polizeisprecher sagten. Doch für uns war die Präsenz dieser Uniformen auf dem Hügel, den wir bewohnten und verteidigten, eine Verkörperung der staatlichen Gewalt und der Absurdität dieses Systems, das sich weigert, seinen wahnsinnigen Kurs der Zerstörung zu stoppen.

Aber die Gewalt hörte hier nicht auf. Gewalt bestand auch in der Unterdrückung und in der Tatsache, dass mensch sich ständigen Drohungen stellen musste, welche über all den Personen schwebte, die sich weigerten, ihre Identität preiszugeben und die zu zwei bis drei Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Gewalt bedeutet auch, dass wir das Hauptobjekt unseres Kampfes vorübergehend beiseite legen müssen, um stattdessen zu lernen, mit den Codes der bürgerlichen Justiz zu spielen und dass wir Tausende von Franken sammeln müssen, damit unsere Freund*innen nicht eingesperrt werden.

Jetzt sind wir neun Monate nach der Evakuierung. Nächste Woche, am 17., 18. und 19. Januar 2022, werden die ersten verurteilten Zadistinnen vor Richter Stoll erscheinen. Dieser Richter ist derselbe, der einen Polizisten freigesprochen hatte, der das Seil durchgeschnitten hatte, an dem ein Aktivist während der Anti-G8-Mobilisierungen im Jahr 2003 hing. Richter Stoll war es auch, der während der Gerichtsverhandlungen von Antispeziistinnen völlig unangebrachte Witze gemacht hatte. Er war es auch, der im Fall Skander Vogt urteilte und die Personen, die ihn in seiner Zelle beim Erstickungstod zusahen, freigesprochen hatte. Generalstaatsanwalt Cottier wird ebenfalls persönlich anwesend sein. Wir dürfen nicht vergessen, dass er es ist, der unbedingt gegen die Zadist*innen vorgehen will, indem er beispielsweise denjenigen, die sich weigern, ihre Identität preiszugeben, den Zugang zum Richter verweigert und versucht, sie weiterhin mit Gefängnisstrafen zu bestrafen, obwohl Holcim seine Klage zurückgezogen hat.

Wir kämpfen für das Lebendige, gegen die gegenwärtigen und zukünftigen ökologischen und sozialen Katastrophen.

Aber der Staat versucht, dieses zerstörerische System aufrechtzuerhalten, und er unterdrückt vehement die Protestbewegungen, die es wagen, den Status quo in Frage zu stellen.

Den Status quo zu hinterfragen und herauszufordern ist jedoch genau das, was wir tun müssen, wenn wir die ökologischen und sozialen Katastrophen begrenzen wollen. Und das müssen wir auch tun, wenn wir die Ungleichheiten bekämpfen wollen, die so tief in diesem System verankert sind. Die Repression will uns zum Schweigen bringen, aber wir werden diese Gelegenheit nutzen, um unsere Botschaften noch lauter zu schreien. Die Repression will uns Angst machen, aber wir werden unsere Wut nutzen, um ihre Fallen zu umgehen, um dem langsamen Ticken der Strafjustiz unseren eigenen politischen Takt aufzuzwingen.

Selbst wenn wir also nicht an diese Justiz, an dieses System, an die Art von Welt, die sie vertritt, glauben, müssen wir uns manchmal aus Mangel an Alternativen trotzdem mit ihr auseinandersetzen. Und wenn uns nichts Besseres einfällt, werden wir diese Prozesse nutzen, um unser Engagement zu bekräftigen, um angesichts derer, die versuchen, unseren Zorn zum Schweigen zu bringen, solidarisch zu bleiben.

Wir wollen uns diesen Moment zurückerobern und dafür sorgen, dass diese Prozesse nicht nur die Prozesse der Zadist*innen sind, sondern auch die Prozesse von Holcim und seinen Kumpanen sein werden.

Dies ist eine Gelegenheit, uns daran zu erinnern, warum wir gegen den Beton und seine Welt kämpfen.

Holcim, du und deine Maschinen, du und dein Greenwashing, du verteidigts eine Welt, die auf Zerstörung beruht, auf Trennung. Du baust Betonmauern zwischen unserer Realität von heute und der Welt, die wir wollen. Du zerstörst den Hügel, du und dein rigider Beton, du sperrst uns in stumpfe Lebensweisen, in Realitäten, die mit den Grenzen der Biosphäre unvereinbar sind. Beton, eines der zerstörerischsten Materialien, sowohl ökologisch als auch sozial, wir wollen nicht mehr unter der Herrschaft deines Terrors leben. Gegen dich und deine Welt zu kämpfen, bedeutet, an der Seite der Hausbesetzer*innen, der städtischen Kämpfe, der Klimabewegungen und all derer zu kämpfen, die versuchen, dieses Material und die räumliche Organisation unseres Lebens, die es hervorbringt, zutiefst in Frage zu stellen. Wir lehnen uns auf gegen diese Organisation, die uns daran hindert, uns zu verbinden und uns gegen Ungerechtigkeiten zu verbünden.

Wir treffen uns am Montag, den 17. Januar um 8.30 Uhr vor dem Bezirksgericht La Côte in Nyon. Treffen wir uns, treffen wir uns, es wird eine gute Gelegenheit sein, solidarisch mit denjenigen zu bleiben, welche verhaftet wurden, ein Moment der Subversion, den wir nutzen können, um uns selbst und andere an die Herausforderungen des Kampfes auf der ZAD de la Colline zu erinnern. Um diese Mobilisierung so zugänglich wie möglich zu machen, auch für Personen, die sich möglicherweise in einer komplizierten rechtlichen Situation befinden, wurde sie von der Stadt Nyon angemeldet und genehmigt.

Lasst uns über radikale Ökologie sprechen, über Beton, über Repression, über Kampfstrategien. Kommen wir zahlreich, kommen wir verkleidet, kommen wir entschlossen. Erinnern wir uns daran, dass angesichts der Repression die Solidarität eine unserer besten Waffen ist.

Hier ist das detaillierte Programm für die drei Tage der Mobilisierung:

P.S.

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