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#1erMai in Paris: Eine Einladung für eine revolutionäre #1Mai

Hinweis: Die auf unserem Blog veröffentlichten Artikel werden ausschließlich zur Dokumentation publiziert.

Original Aufruf veröffentlicht durch Génération Ingouvernable und Mouvement Inter Luttes Indépendant Facebook Veranstaltungsseite. Übersetzt durch Enough is Enough.

#MayDay in #Paris: Invitation for a revolutionary May 1st

Nach der Einladung von „Les Paves“ am 1. Mai nach Paris zu kommen, veröffentlichen wir ein weiteren Aufruf, der nach Paris mobilisiert.

Hier ist der Aufruf in voller Länge:

Macrons Macht hat sich entschieden die sozialen Proteste mit Gewalt zu brechen. Sie zeigte die brutale Fratze der Repression unter der Maske der lachenden Modernität. Der militärische Angriff gegen La Zad, die Vernichtung von Lebensräumen, Räumungen, das Verprügeln von Student*innen mit Knüppeln, die Isolierung von Bahn-Arbeiter*innen, Desinformation, all diese Manöver dienten dem Zweck die Autorität des Staates zu beweisen, sind aber in Wirklichkeit Symptome einer ängstlichen Regierung, in Panik versetzt durch eine wachsende, kraftvolle und vielfältige Bewegung. Die massive Beteiligung am Streik der Bahn-Arbeiter*innen, der den Zugverkehr stört, die Blockaden und Besetzungen von Universitäten multiplizierten sich in den letzten 10 Jahren. Netzwerke wachsen, Bündnisse werden formiert, verschiedene weitere Sektoren schließen sich dem Kampf an. Jeden Tag widersetzen sich die Genoss*innen von La Zad noch entschlossener. Währenddessen sind Unterstützungskomitees aktiv im ganzen Land. Um es kurz zu halten: Überall machen sich Menschen den Kampf um DIE RECHTE ZU SCHLAGEN zu eigen.

Von jetzt an muss es darum gehen diese verschiedene Formen von Widerstand in eine einzige Welle von Aufständen zu heben, um dieses abscheulichen Regime zu Fall zu bringen. Um den Sieg ins Auge zu fassen, schlagen wir vor unsere Offensive an gemeinsamen Daten zu konzentrieren. Während einige sich wünschen den Mai ‘68 nur zu gedenken, damit der Aufstand auf Abstand gehalten wird*, denken wir, dass der erste Mai 2018 eine großartige Gelegenheit ist den 50. Geburtstag dieses Aufstands auf unsere eigene Weise zu feiern. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich Genoss*innen aus Nachbarländern mit der Idee befassen sich diesen Festivitäten anzuschliessen. Wir laden die Bahn-Arbeiter*innen und alle anderen Teile der Bewegung ein, um sich am 1. Mai zahlreich an einer entschlossenen, revolutionären und kämpfenden Demo zu beteiligen. Weil Repression sich gegen jede(n) richtet, muss unsere Antwort gemeinsam und vereinigt sein. Gegen Macron und seine Welt, lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen und die Versammlung von Wut und Hoffnung zum Leben bringen. Machen wir uns bereit, rüsten wir uns aus, lasst uns uns organisieren, UM SIE ZU BRECHEN.

Wir sehen uns am Dienstag, den 1. Mai, 14:30 Uhr auf dem Place de la Bastille, 75011 Paris, Frankreich

Facebook Veranstaltungsseite: https://www.facebook.com/events/451120815321402/

*Einige offiziellen Stellen wollen den Aufstand von Mai 1968 als etwas gedenken, was der Vergangenheit angehört. So als wäre ja jetzt alles gut im französischen Staat.


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[1968 – 2018] Von einem wilden Mai zum anderen… – Treffen wir uns am 1. Mai in Paris!

Hinweis: Die auf unserem Blog veröffentlichten Artikel werden ausschließlich zur Dokumentation publiziert.

Reblogged von: lespaves.net

Modell bedruckbar (PDF A3)

Revolutionäres Sprudeln

Heute möchten bestimmte Journalisten, Intellektuelle, Künstler und Politikerinnen dem Jahr 68 und seiner Revolten gedenken, die sie als einzig und allein von der Sehnsucht nach kapitalistischer Demokratie, nach individualistischen und liberalen Vergnügungen darstellen. Wieder mal geht es ums Verkaufen, um Einschaltquoten, um Literatur zum Arschabwischen und Stimmzettel; tatsächlich geht es darum, das, was sich damals – in einem der subversivsten, gewalttätigsten und offensivsten Jahre der Nachkriegszeit – an Politischem abgespielt hat, zu neutralisieren und außer Reichweite zu bringen. Die Geschichte analysieren, um so tun zu können, als sei sie vorbei, die Begeisterung und die Revolte der einen Generation heraufbeschwören, um die nachfolgende besser einzusperren und zu befrieden.

Pariser Studierende begannen den Monat Mai damit, die Sorbonne zu besetzen, einzigartige Forderungen brechen explosiv hervor, die Ablehnung einer Welt drückt sich auf den Mauern der Stadt aus und verkörpert sich in den nächtlichen Barrikaden. Die Arbeiterinnen mischen sich in kürzester Zeit in den Tanz und entfachen einen wilden Generalstreik, der das Land paralysiert. Innerhalb von zwei Wochen knickt die Regierung ein und macht historische gesellschaftliche Zugeständnisse, Zugeständnisse, die von den Streikenden abgelehnt werden…

In Mexiko wechselt sich über mehrere Monate eine Bewegung für Organisationsfreiheit und gegen politische Repression mit Demonstrationen Hunderttausender, Besetzungen von Universitäten und Gymnasien sowie Straßenkämpfen ab. Der mexikanische Staat setzt der Bewegung mit der Ermordung von mehr als zweihundert Menschen beim Massaker von Tlatelolco ein Ende.

Hinter dem Eisernen Vorhang startet eine neue Regierung einen politischen Liberalisierungsprozess, unterstützt von den Menschen, die die Umsetzung beschleunigen: Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Ende der Zensur, Öffnung der Grenzen zum Westen, Einschränkung der Macht der Staatssicherheit. Es brauch Panzer auf den Plätzen der Stadt, um dem Prager Frühling ein Ende zu setzen.

Die Vietcong starten die Tet-Offensive gegen die wichtigsten Städte im Süden. Auch wenn die Angreifer nach ein paar Wochen auf ganzer Linie zurückgedrängt werden zeigt die Offensive der Welt die Fähigkeiten der vietnamesischen Volksarmee und kündet die amerikanische Niederlage an.

In Italien geht die Studentenbewegung in ihr zweites Jahr. Ausgehend von der Kritik des Universitätssystems, seines Autoritarismus und seiner kapitalistischen Funktion, sprengt die Bewegung diesen Rahmen und vermischt sich mit internationaler Politik und innenpolitischen Fragen, verbindet Streiks, verlässt den Campus, um sich in den Städten auszubreiten, und erlebt seine ersten siegreichen Zusammenstöße mit den Bullen. Das Jahr 68 schreibt sich in die Anfänge der langen roten Sequenz Italiens ein: zwölf Jahr des Experimentierens und der politischen Konflikte, der Besetzungen, der Streiks, der Aufstände und bewaffneten Kämpfe, der Piratenradios, der Expropriationen und der rebellierenden Stadtteile. Eine Umwälzung aller Aspekte des Lebens…

Auch anderswo – in Japan, in den USA, in Deutschland, im Senegal – erschüttert eine beispiellose Emanzipationsbewegung den Planeten: sexuelle und politische Befreiung, Kämpfe gegen jegliche Form der Autorität, feministische Bewegung und politische Dissidenz; Verweigerung der Arbeit, der Welt der Ökonomie und ihrer Diktate; gemeinschaftliche Lebensformen und Illegalismen; Geburt der radikalen Ökologie und Ablehnung des akademischen Systems, Reappropriation von Wissen; Rebellion gegen den Imperialismus, gegen den Militärapparat und gegen die Kolonialkriege.

Die Menschen, die diese Kämpfe ausgetragen haben, haben dafür einen hohen Preis bezahlt: zehntausende Verletzte und Tote, Gefangene und Exilierte. Aber sie haben auch Siege und neue Stärken erlebt, mit neuen Formen des Lebens und der Kämpfe experimentiert; Risse in der Welt hervorrufen, um daraus neue Welten werden zu lassen, unbekannt und verrückt… Überall sind es Allianzen zwischen Arbeitern und Studentinnen, zwischen Männern und Frauen, zwischen Eingewanderten und Nationalbürgern, die das Ausmaß und die Intensität dieser Bewegungen geprägt haben, Verschiedenheit als gemeinsame Macht, eine Weise, den Gegner aus der Fassung zu bringen, sich neu zu erfinden, kämpfen und siegen zu lernen.

Sie gedenken, wir fangen nochmal an

Trotz all dieser revolutionären Bemühungen ist das kapitalistische Regime auf seiner Bahn geblieben, von Verwandlungen zu Vereinnahmungen, von Wachstumsspitzen zu weltweiten Krisen, die Welt ist so krank wie noch nie:

Die europäischen Bürger sind angeblich auf dem Gipfel der Freiheit angelangt, ihre Leben bieten aufregende Wahlmöglichkeiten im Überfluss. Die Wahl zwischen liken und nicht liken, zwischen dieser Scheissware und der nächsten, zwischen dieser und jener Partei, die in jedem Fall beide die selbe Politik machen und, natürlich, die Wahl der Krebsart, an der wir krepieren werden… Ein Reichtum sinnentleerter Lebensläufe, um uns unsere Schicksalslosigkeit vergessen zu lassen – das ist es, was der Kapitalismus den “Privilegierten” unserer Zeit anbietet. Was den Rest betrifft, die Millionen vor Krieg, Armut oder Klimazerstörung Flüchtender – sie sind zur Irrfahrt und zum Tod vor den Toren Europas verdammt; diejenigen, die es nach Europa schaffen, dazu, als Handlanger des Unternehmertums ausgebeutet zu werden sowie Kanonenfutter, an dem die westlichen Polizeien ihre Repressionstechniken erproben.

Was die Gleichberechtigung angeht können einige weiße und kultivierte Frauen heutzutage Manager wie die anderen werden, und manchmal sogar Führer großer Weltmächte. Aber die Anzahl der Vergewaltigungen und Frauenmorde nimmt trotzdem nicht ab, und tagtäglichem Rassismus und Sexismus ausgesetzte Frauen sind nach wie vor der unverzichtbare Zement unserer Gesellschaften: waschen, versorgen, zusammenbauen, bilden – und vor allem, unsichtbar bleiben.

Die Arbeit wird mehr denn je als Kardinaltugend unserer Gesellschaft durchgesetzt. Arbeitslose werden gejagt, verachtet und aus der Gesellschaft gestrichen. Uber, Amazon und ihre Armee von “Kreativ”managern sind dabei, den Fordismus neu zu erfinden, ebenso wie einen Modus des In-der-Welt-seins, in dem jede Sekunde gezählt und kontrolliert wird: der Kult des Moments, eine ewige Gegenwart, die weder der Vergangenheit noch der Zukunft Platz lässt…

Auf globaler Ebene lässt sich die Zahl der ausgestorbenen oder aussterbenden Tierarten nicht mehr zählen, ebensowenig wie die Zahl der zerstörten Ökosysteme oder der Grad der Verschmutzung der Ozeane. Die Welt der Ökonomie setzt ihre Herrschaft über den Planeten und die Zerstörung jeglicher Lebensformen weiter durch.

In diesem fabelhaften Universum entstehen glücklicherweise klarsichtige Bewusstseinsformen, Subversions- und Konfrontationsbestrebungen. Überall schreitet die Desertion ein wenig fort, der grüne Kapitalismus und die professionellen Politiker lassen nur noch Idiotinnen und Scheisskerle träumen. Allianzen werden gewoben, Migranten besetzen Plätze und Gebäude, machen ihre Existenz und ihre Erfahrungen sichtbar, Frauen organisieren sich gemeinsam, um den Wert ihrer Arbeit, ihrer Stimme und ihres Lebens einzufordern. Im größeren Zusammenhang können politische Reformen oder von Polizisten begangene Morde politische Eruptionen massiven und überraschenden Ausmaßes zur Folge haben, große Infrastrukturprojekte bringen mitunter freie Kommunen ebenso wie spürbare Veränderungen in ganzen Gebieten hervor, gewisse Treffen der Führer dieser Welt enden im Scheitern eines tausende Polizisten umfassenden Sicherheitsapparats und der regelrechten Verwüstung hochgerüsteter Metropolen.

Im Rahmen dieser Versuche haben französische Genossinnen den Aufruf gestartet, für einen wilden Monat Mai nach Paris zu kommen. Mit diesem Text wollen wir dieser Einladung folgen und sie an all unsere Komplizen und Freundinnen, zukünftige und erprobte, weiterleiten.

Wir kommen nach Paris weil wir denken dass, abgesehen vom Zustand der Welt selbst, auch die Worte und die Geschichte einen Kampf verdienen. Es geht nicht um Fetischismus oder um die Idealisierung einer vergangenen Epoche, sondern darum, sich zu nähren, eine Erinnerung, eine Geschichte, Leben und Kämpfe zu beleben, ebenso wie die Wünsche und Ziele, die diese durchzogen haben. Vor fünfzig Jahren haben tausende Freunde einen Angriff auf den Himmel gestartet. Dass sie letzten Endes darin gescheitert sind, den Kapitalismus niederzureißen, das ist nicht wichtig. Was für uns zählt sind die Befragungen, die Gesten und Auftriebe, die sie uns mitgegeben haben, sowie die Frage, wie wir sie zum Widerhall bringen, sie wiederbeleben, sie befragen, sie vielleicht wiederholen können. Wie unsere Freunde von den Zapatistas gesagt haben: die Zukunft liegt in unserer Vergangenheit…

Wir kommen auch nach Paris wegen dem, was da aktuell abläuft, um unsere französischen Genossinnen zu unterstützen und um Macron unsere besten Wünsche zu vermitteln. Als Ausdruck der Ablehnung der traditionellen politischen Klasse ins Amt gewählt und sich als “apolitisch” gebend, setzt Macron seit einem Jahr eine neoliberale Politik von frenetischem Rhythmus ins werk: Zerstörung der sozialen Rechte, autoritäres Regieren, Verschärfung der staatlichen Kontrolle. Sein erster Fehler könnte sein, eine ganze Front von Reformen wie die gegenwärtige – Reform des baccalauréat (Abitur), des Universitätszugangs, der französischen Bahngesellschaft SNCF – zu führen und dabei von vorneherein deutlich gemacht zu haben, dass es ihm darum geht, den öffentlichen Sektors zu ruinieren. Die Bahnarbeiterinnen, bekannt für ihre kämpferische Haltung, haben eine Streikbewegung ausgerufen, die den Verkehr ab Anfang April stark beeinträchtigen wird. Zahlreiche Gymnasiasten und Studierende haben angefangen, ihre Schulen und Universitäten zu blockieren. Im öffentlichen Dienst verstehen die Arbeiterinnen mittlerweile, dass der infernalische Takt und das aggressive Management, dem sie unterworfen sind, nur noch schlimmer werden. Klar, dass die Regierung ihre politischen Attacken gegen die Bahner und öffentliche Angestellten durch mediale Attacken verdoppelt, während die Besetzungen von Schulen und Universitäten sich unerbittlicher polizeilicher und administrativer Repression ausgesetzt sehen.

Aber der Streik- und Demo-Tag am 22. März 2018 haben einen Kampfgeist und eine Entschlossenheit zur Schau gestellt, wie man sie seit der Bewegung gegen das Loi travail von 2016 nicht mehr gesehen hat: 180 Demos in ganz Frankreich, die Gleis- und Lufttransportsysteme stark eingeschränkt, massive und offensive autonome Blöcke (cortèges de tête). Niemand kann sagen, was sich aus diesem Anfang einer Bewegung in den kommenden Wochen entwickeln wird, aber die Herausforderung wird darin bestehen, Brücken zu bauen, Treffen zu vermehren ebenso wie Welten, die wir teilen können: mit der Demo in Bahnhöfe einfallen, Versammlungen eröffnen, Orte besetzen, gemeinsame Ziele finden… Versuchen, zusammen zu fühlen und zu kämpfen, damit der kommende Frühling über die Geschichte hinauswächst und endlich eine Zeit befreit, an die man sein Herz verliert.

Nichts ist vorbei, alles beginnt…


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Winter just ended? Notizen aus Paris – 22. März 2018

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Reblogged von: lespaves.net.

Vor fünfzig Jahren begann bereits am 22. März der französische Aufstand im Jahre 68. Beginnend in Nanterre mit dem Anspruch der männlichen Studierende, die weiblichen Studierende in ihrem Zimmer besuchen zu dürfen, mit einigen Anti-Repressions- und Anti-Kriegs-Themen, entwickelte sich ein wilder politischer Mai, der die Geschichte prägte. Letzte Woche, im Jahr 2018, wurde der nationale Tag des Streiks und der Demonstration bewusst am 22. März organisiert, um den Beginn der landesweiten Proteste im Jahr 1968 zu wiederholen, die zum größten Streik des Landes und zu berüchtigten Straßenschlachten zwischen Polizei und Studenten*innen führten.

Wird es ausreichen, eine Bewegung von gleicher Bedeutung zu starten?

Situation Frankreich – „Sarko en prison, Macron Demission!“

Macron steht vor schwierigen Zeiten. Seit Beginn seiner Präsidentschaft hat er Reformen ohne Verhandlungen durchgeführt, ohne seinen Gegnern die Zeit zu lassen, sich zu organisieren und auf seine Angriffe zu reagieren. Aber jetzt ist er in einer Situation, die als „sein erster großer Test“ angesehen werden kann.

Die Eisenbahner*innen protestieren gegen die Pläne von Macron, durchgreifende Änderungen am riesigen französischen Staatsbahnsystem durchzusetzen, darunter auch Kostensenkungen durch Einschränkung der Sonderarbeitsrechte für Eisenbahner. Vom 3. April bis zum 28. Juni haben die Eisenbahnergewerkschaften nationale Streiks von zwei Tagen alle fünf Tage geplant.

Frankreichs großer öffentlicher Sektor, der 5,4 Millionen Staatsbedienstete hat, ist verärgert über Macrons Sparpläne. Die Gewerkschaften werfen ihm vor, den Staatssektor abzubauen. Nach seinen Wahlversprechen einer besseren Anerkennung und Entlohnung des Personals des öffentlichen Sektors hat es unter den Staatsbediensteten Wut gegeben, dass Macron sein Wort zurückgenommen hat und in der Tat versucht, die Budgets zu kürzen, sich mehr auf Vertragsbedienstete zu verlassen, eine leistungsorientierte Bezahlung einzuführen und freiwillige Entlassungen vorzunehmen. Die Arbeitnehmer klagen über ungerechtfertigte Lohnstagnation und zunehmend schwierigere Arbeitsbedingungen. Zudem möchte Macron, die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst innerhalb von fünf Jahren um 120.000 reduzieren.

In den Schulen und Universitäten wird gegen das so genannte „Auswahlgesetz“ und eine Reform des Abiturs vorgegangen. Ein Dutzend Universitäten sind mobilisiert, einige von ihnen sind von Student*innen besetzt (andere von Migrant*innen, die mit der repressivsten Politik aller Zeiten konfrontiert sind). Auch in den Gymnasien gibt es regelmäßig Blockaden und Streiks. Doch überall sind die Student*innen mit administrativen Sperrungen und harten Repressionen durch die Polizei konfrontiert. In Bordeaux und Montpellier scheinen die gewaltsamen Vertreibungen der Universität die Entschlossenheit der Besetzer*innen verstärkt zu haben.

Was geschah – Streik, Zusammenstöße mit der Polizei und Störung der täglichen Normalität!

Infolge des Streiks am 22. März wurden Hunderte von Flügen und Zugverbindungen gestrichen und zahlreiche Schulen schlossen am Donnerstag ihre Türen. Die Streiks betrafen auch Krankenhäuser, Bibliotheken und andere öffentliche Einrichtungen. Die Großregion Paris, die Île-de-France, war von den Maßnahmen im Industriesektor besonders stark betroffen. Obwohl der U-Bahn-Verkehr wie gewohnt lief, wurden die RER- und Nahverkehrszüge stark gestört. Rund um Frankreich wurde der TGV-Verkehr durch den Streik stark beeinträchtigt, rund 60 Prozent der Züge wurden gestrichen.

Ähnliche Störungen gab es auf den Flughäfen, insbesondere in Paris, wo rund 30 Prozent der Flüge gestrichen wurden. Auch die Billigfluggesellschaft Ryanair musste über 100 Flüge nach, von und über Frankreich absagen, was die Chefs der Fluggesellschaft wütend machte. Der Ausstieg der Fluglotsen führte auch auf mehreren Flughäfen in Frankreich zu Störungen.

180 Demonstrationen von Beschäftigten des öffentlichen Dienstes und Studenten fanden in ganz Frankreich statt, während sich die Eisenbahner zu einer nationalen Demonstration in Paris versammelten – mehr als 500.000 Menschen kamen auf die Straße! In Paris gab es eine Vormittagsdemo mit Studenten*innen, und am Nachmittag gab es eine spezielle Demo für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, neben derjenigen der Eisenbahner. In diesem letzten konnte man die großen Blöcke der verschiedenen Gewerkschaften sehen: CFDT, FO, CGT und Sud Solidaires. Die Eisenbahnergewerkschaften sind bekannt für ihre einzigartigen und großen Feuerwerkskörper und langen Bengalfackeln, die die gesamte Strecke der Demonstration mit Rauch füllten.

Vor der Demonstration versuchten die Medien, die stärkste Gewerkschaft im Eisenbahngeschäft CGT zu diskreditieren, indem sie ihnen vorwarfen, Mails zu verschicken, die zu einem offensiveren Streik aufrufen. Die Medien attackierten „die Botschaft, die einem Mitglied der Gewerkschaft Hardline CGT zugeschrieben wird, und forderten die Kollegen auf, über die für die kommenden Monate angekündigten offiziellen Arbeitsunterbrechungen hinauszugehen und auch an Tagen ohne Streiks Störungen im Netz zu verursachen“. „So etwas habe ich noch nie gesehen, noch nie eine solche Bedrohung“, sagte Guillaume Pepy, staatlich bestellter Vorsitzender der SNCF-Bahn, gegenüber RTL. In der öffentlichen Meinung geht dies mit einer allgemeinen Verteufelung der Eisenbahner*innen einher: Sie riskieren nicht nur die Störung des Landes, sondern auch ihren vermeintlichen „privilegierten“ Status.

Als die Demonstration begann, bildete sich in der Front ein riesiger autonomer Block, der sogenannte „cortege de tete“, der seit der Bewegung gegen dem Arbeitsgesetz im Frühling 2016 zum Standard geworden ist: ein Block ohne strukturierte Organisation und Führung. Dieser autonome Block besteht aus vielen Jugendlichen und Studenten*innen, aber auch aus unabhängigen Demonstranten jeden Alters, die sich nicht mit einem bestimmten Block identifizieren, aus Gewerkschaftern, die sich langweilen, in einem neutralisierten Raum zu demonstrieren der von Häuptlingen verwaltet wird, und aus militanteren und organisierten Gruppen. Während die Demonstration langsam voranschritt, schlossen sich immer mehr Menschen dem „cortege de tete“ an, der schließlich mehrere tausend Menschen versammelte. Während der gesamten Strecke der Demo kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, Banken, Werbung und anderen kapitalistischen Institutionen wurden zerschlagen, Hunderte und Aberhunderte von Tags wurden gemacht. Das Ambiente kühlte sich am Ende der Strecke ab, an der Stelle de la Bastille, wo sich die Teilnehmer der beiden Demonstrationen versammelten.

Wir wissen nicht, wie der Protest in den nächsten Wochen weitergehen wird, wie die Regierung reagieren wird, aber die gestrigen Streiks und Demos haben deutlich gezeigt, dass die Wut und der Wunsch zu kämpfen heutzutage in Frankreich weit verbreitet sind.

Die Gewerkschaft CGT hat bereits den Vorschlag eines weiteren Tages des Generalstreiks am 19. April erwähnt. Und einige Studentenversammlungen haben bereits bestätigt, dass sie nicht so lange auf die nächsten Aktionstage warten werden…

Nichts ist vorbei, alles beginnt jetzt…


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Sie auch: Interview mit Enough is Enough Info-Café https://enough-is-enough14.org/2018/03/18/interview-mit-eie-info-cafe-das-langfristige-ziel-ist-und-bleibt-natuerlich-der-umbruch-zu-einer-solidarischen-gesellschaft/

 

 

 

 


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#1Mai: Aus Paris an unsere in aller Welt verstreuten Freunde

Hinweis: Die auf unserem Blog veröffentlichten Artikel werden ausschließlich zur Dokumentation publiziert.

Reblogged von: lespaves.net.

„Man könnte also Folgendes tun: anstatt feierlich 1968 zu gedenken den Versuch starten, einen schönen Monat Mai 2018 zu organisieren.“

Hier, in diesem Land, in dem wir jeden Tag schwerer atmeten, eine immer dünnere Luft, wo wir uns jeden Tag fremder fühlten, war die Abstumpfung das einzige, was uns passieren konnte, sie fraß uns auf – zu viel Leere, zu viel Betrug. Wohl oder übel leisteten wir uns Worte, das Abenteuer war literarisch, das Engagement platonisch. Die Revolution morgen, die Möglichkeit einer Revolution – wie viele von uns glaubten noch daran?

Pierre Peuchmaurd, Lebendiger als je zuvor (1968)

Die Glut schwelt unter der Asche der Macron‘schen Narkose. Die Regierung weiß das. Deswegen ist sie darauf bedacht, jeglicher kritischen Auseinandersetzung auszuweichen. Deswegen greift sie nur die Schwachen an oder die, die sich von vorne herein geschlagen geben. Es ist eine Strategie der Schlachtvermeidung: ein Krieg, dessen Sieg darin besteht, jegliche entscheidende Auseinandersetzung zu umgehen.
Außerhalb der Regierung selbst und ihrer medialen Rechtfertigungsmaschine gibt es keinerlei Zustimmung zu den Manövern der Regierung. Was es gibt ist immense Gleichgültigkeit, Verdrossenheit, Ermüdung und eine Demoralisierung, an der die Eigentümer der öffentlichen Ordnung Tag für Tag gewissenhaft arbeiten.

Aber seitdem die Bewegung gegen das Loi Travail baden gegangen ist, gibt es auch eine Menge diffuser Energie, eine Vielzahl kaum wahrnehmbarer Desertionen, die unauffällig ihre Bahnen ziehen. Es gibt ein leicht entzündliches Element in der Schwebe, das nur auf eine Gelegenheit wartet, wieder aufzulodern, eine Gelegenheit, die nicht nur die mechanische Wiederholung der überholten Taktik des „cortège de tête“ ist. Hinzu kommen –  trotz der geschickten Regierungskommunikation – so reich an Täuschungen, Überraschungseffekten, an doppeltem Spiel und anderem falschen Schein – die ersten Auswirkungen einer wirklich geführten Politik. Diese wirklichen Auswirkungen rufen Unzufriedenheiten hervor, die sich nicht mal durch diese Masse an Kunstgriffen zerstreuen lassen. Wenn auch noch nicht jeder am Ende ist, so ist der allgemeine Burnout dennoch nicht mehr weit. Also warum nicht alles außer Betrieb setzen, bevor wir selbst K.O. sind? Anstatt darauf zu warten, dass uns die Macht eine Gelegenheit gibt –das wird sie nie – den Unglückszug, in den sie uns gesetzt hat, anzuhalten – warum führen nicht wir selbst diese Gelegenheit herbei? Warum bestimmen wir nicht selbst den Zeitpunkt? Und da offensichtlich jeglicher Anlass für eine Revolution gegeben ist – warum einigen wir uns nicht auf einen Termin und konzentrieren unsere Kräfte?

Es scheint Leute zu geben, die im kommenden Mai feierlich dem Mai 68 gedenken möchten. Uns ist, ehrlich gesagt, der Mai 68 scheißegal. Wir haben’s besser gemacht. Unsere Tags aus dem Frühjahr 2016 verweisen die von 1968 in die Kategorie „ausbaufähig“, sowohl was die Menge als auch was die Qualität angeht. Mal ehrlich, zwischen „dans saboter, il y a beauté“ und „jouir sans temps morts, vivre sans entraves“ brauch es kein Zielfoto. Dazwischen derselbe Unterschied wie zwischen spritzig und mühsam. Und über unsere Aufstände gibt es nichts zu sagen à la: besser organisiert, besser ausgerüstet, wir haben keinen Bedarf an trotzkistischen oder maoistischen Ordnern, an niemals endenden Plena, an Anführern. Alles ist im Fluss, in der Vielzahl, im situativen Verständnis. Das einzige ist, dass, da wir ja noch da sind, es niemanden gibt, der unserer gedenkt. Ok, stimmt, wir haben nicht das Land lahmgelegt. Soweit ging es mit den Besetzungen nicht. Auf der Ebene des Streiks haben die Gewerkschaften komplett versagt. Wir waren nicht Millionen wie 1968. Und dann gibt es da ein riesiges Problem der Perspektiven: früher reichte es, die Welt wieder in die Hand zu nehmen, mehr oder weniger wie sie war, aber jetzt ist die Welt einerseits komplett beschissen gefickt und andererseits ist das, was noch funktioniert derart grauenhaft, dass sich oft damit nichts anderes mehr anstellen lässt, als sie auf den Schrott zu werfen. In anderen Worten: Früher reichte es, sich das anzueignen, was da war, jetzt muss man es gleichzeitig zerschlagen und reparieren. Ganz zu schweigen davon, dass wir selbst nicht unbedingt im besten Zustand sind. Eine große Aufgabe, also – und es wird viel Vorstellungskraft, viel Sensibilität und eine ausgeprägte Verwandlungsbereitschaft erfordern.

Vom Mai 68 merken wir uns folgende vier Dinge: 1 – es gab schon damals Randalierer, aber wenn man genug Randalierer ist, dann ist man nicht mehr Randalierer, sondern ein Ereignis; 2 – wir werden nichts erreichen wenn es uns nicht gelingt, das Land lahmzulegen; 3 – was die Verwüstung der Erde, den Verlust jeglicher Bedeutung, die Zombifikation der Menschen, die Absurdität der sozialen Ordnung, den Triumph der Technokratie und die Ausbreitung des Unglücks angeht hat der Kapitalismus sich methodisch daran gemacht, alles das, was der Mai 68 über ihn sagte, zu verwirklichen; 4 – da 68 die Macht, als Antwort auf den Versuch, den Überfluss zu organisieren, den Aufstand bekommen hat, hat sie sich gedacht, dass die Organisation der Knappheit vielleicht Ruhe bringen würde. Ungewiss, ob das mit der Ruhe wirklich geklappt hat – im Gegensatz dazu ist uns allen die Knappheit nur zu bekannt, kein Zweifel dass sie das mit Leichtigkeit geschafft hat.

Nochmal: wir scheißen auf den Mai 68. Dass Cohn-Bendit mit Macron und Debord in der Bibliothèque Nationale befreundet war, geht uns am Arsch vorbei. Vor allem ist das, angesichts der Lage, kein Grund dafür, sich nicht für den Mai zu verabreden. Wir werden Macron nicht zehn Jahre lang still und leise seine Pläne verwirklichen lassen. Wir werden nicht auf uns rum trampeln lassen, auch nicht wenn dabei Molière zitiert wird. Wir wollen die Katastrophe in Stücke reißen.

Wir könnten also Folgendes tun: anstatt feierlich 1968 zu gedenken den Versuch starten, einen schönen Monat Mai 2018 zu organisieren.

Den Druck langsam erhöhen, und zwar bei der Demo der Eisenbahner & co. am 22. März (was wäre eine Strategie, die Art und Weise, auf die die Präfektur den „cortège de tête“ zum Scheitern gebracht hat, selbst scheitern zu lassen? Warum berufen wir nicht für diesen Abend eine große Diskussion ein, allen offenstehend, darüber, was wir im Mai machen könnten?).
Verbindungen zu denen knüpfen, die auch gerne was machen würden aber denen klar ist, dass die «  mächtigen Gewerkschaftszentralen“ nicht länger „ein adäquates Kampfmittel“ sind – um es  höflich auszudrücken.

Zwischen dem 22. und dem 31. März Pläne schmieden, um der Regierung zu zeigen, dass Räumung = Keilerei – egal, ob es um die ZAD, Migranten oder besetzte Orte geht.

Im April präsent bleiben, auf der Hut sein, aber vor allem einen wirklich revolutionären 1. Mai in Paris vorbereiten – die beiden letzten waren nicht schlecht, trotz der zunehmenden Härte der Polizeitaktiken. Außerdem werden dann zwangsläufig, wegen des Datums, eine ganze Menge Griechen, Italiener, Amerikaner, Engländer, Belgier, Deutsche da sein, die abfahren auf den Mai 68 oder auf das, was in den letzten Jahren in Frankreich passiert ist. Natürlich sollte man darüber nachdenken, sie ausdrücklich einzuladen, zu dieser Gelegenheit zu kommen, sie auch einladen, zu bleiben, sie beherbergen und ihnen das Gefühl geben, willkommen zu sein.

Alles was dann kommt muss erst geschaffen werden – Besetzungen, Blockaden, Streiks, von der Landkarte zu wischende Start-ups, durchdiskutierte Nächte, wilde Demos wie man sie sich nicht mehr zu machen traut –  Demos, die mehr sind als bloßes Skandieren: mischen wir das yuppifizierte Stadtzentrum von Paris auf. Es mangelt weder an Zielen noch an Gelegenheiten in diesem Mai 2018. Aber um das zu schaffen, müssen wir jetzt anfangen, die verfügbaren Bestandteile von überall her zusammenzutragen.
Kurzum: unseren Vorteil ausspielen (was, ihr feiert 68, und der Aufstand soll illegitim sein, die Besetzung illegal, die Ohnmacht der Macht unvorstellbar, die Revolution unmöglich und das Glück verboten??!!).

Unseren Vorteil ausspielen, bis zur Bruchstelle.

Bis gleich, wir werden das alles privat diskutieren!

Nichts ist vorbei, alles fängt an.


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