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Räumung in Amsterdam: Was geschah im Oudezijds Voorburgwal 136?

Amsterdam. Niederlande. Dies wird persönlich sein, dies wird emotional sein. Wir sind Menschen mit Gefühlen, mit politischen Überzeugungen, mit Sehnsucht nach Freiheit. Unser Kampf und unsere Wunden sind in unsere Körper geschrieben und spürbar. Wir sind wütend und wir sind traurig, wir sind müde und wir sind entschlossen. Räumungen sind öffentliche Spektakel, kollektive Traumata. Bestimmte Menschen tragen die Verantwortung dafür. Also werden wir sie benennen und sie an den Pranger stellen.

Ursprünglich veröffentlicht von Indymedia NL. Übersetzt von Riot Turtle.

Warum wir den Oudezijds Voorburgwal 136 besetzt haben:

Es gibt viele Gründe, ein Haus zu besetzen. Die Grenze zwischen persönlichen Gründen und politischen ist – wie immer – fließend. Wir besetzen nicht nur wegen eines Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum mit einer Vorstellung davon, was dieser Raum sein könnte, sondern auch mit Wut auf den Rassismus, Kolonialismus und Kapitalismus, den dieses Gebäude repräsentiert. Schaut euch das Video an, um unser politisches Statement zu sehen:

Zur illegalen Räumung:

Wir glauben nicht an Gerechtigkeit in diesem rassistischen, patriarchalischen, kapitalistischen System. Wir erkennen seine Gesetze, Gerichte und Autorität nicht an. Niemand braucht mehr als das Haus, in dem er lebt. Aller Eigentum ist Diebstahl und jede(r), der ein Haus braucht, sollte es denen wegnehmen, die mehrere Häuser haben – vor allem, wenn sie sie nicht benutzen. Dennoch scheint es erwähnenswert, dass dies eine illegale Räumung war. Wir sind nicht überrascht, wenn die Herrschenden ihre eigenen Gesetze brechen; wir haben schnell gelernt, das zu erwarten. Wir waren bereits seit 5 Tagen in dem Gebäude und hatten es zu unserem Zuhause gemacht, wir lieferten den Bullen Beweise (siehe hier: ). Anfangs, als die Bullen auftauchten (ziemlich bald nachdem wir einige Transparente abgeworfen hatten), sagten sie, sie würden unseren Hausfrieden („huisvrede“) respektieren und sagten uns, dass alles in Ordnung aussähe, als wir ihnen die Beweise übergaben. Nur um ein paar Stunden später wiederzukommen und uns mitzuteilen, dass die Bereitschaftsbullen auf dem Weg seien, uns zu räumen. Uns wurde vom Polizeichef gesagt, dass es Femke Halsma, die Bürgermeisterin von Amsterdam, war, die die Räumung gefordert hat, es gibt dort einen klaren Interessenkonflikt, da die Stadtverwaltung Eigentümer des Gebäudes ist.

Es brauchte 12 Einsatzwagen und etwa 100 Bullen, um die 3 Leute in unserem Haus und aus dem politischen Raum zu vertreiben. Genoss:innenen und sympathisierende Zuschauer:innen wurden von den Bullen verprügelt, während reiche Nachbar:innen an ihrem Chardonnay nippten und „das Spektakel“ genossen, als ob unser Leben eine Art von Unterhaltung wäre. Einer unserer Genoss:innen wurde von Bullen in Zivil geschnappt, verprügelt und verschleppt. Video auf Twitter:

Über den versuchten Mord an unserem Genoss:in durch Bereitschaftsbullen, ihren Rassismus und den hinterhältigen Spitzel-Nachbar:in von nebenan:

Einige haben vielleicht ein Bild oder ein Video von einem der Genoss:innen gesehen, der aus einem Fenster im siebten Stock des Gebäudes hing. Einige Umstehende haben es vielleicht von der anderen Straßenseite aus beobachtet, wir wissen, dass du auch zugeschaut hast, Janny Alberts. Wenn unsere Genoss:in gestorben wäre, wäre ihr Tod auch an Ihren Händen gewesen. Bevor wir aus dem Fenster stiegen, während die Bereitschaftsbullen unsere Haustür zertrümmerte, befanden sich die Genoss:innen im Obergeschoss. Als wir aus dem Fenster schauten, ermutigte uns der Nachbar:in von nebenan, zu seinem Haus zu kommen. Wir fragten, ob wir auf seinen Balkon kommen könnten, und er antwortete mit „Ja, natürlich“. Im Wesentlichen sagte er uns, dass er uns Sicherheit bieten und uns bei der Flucht helfen würde. Das war es, was unseren Genoss:innen ermutigte, aus dem Fenster zu klettern. Als wir merkten, dass sie den Aufstieg nicht schaffen würden, versuchten wir, sie wieder nach oben zu ziehen. In diesem Moment packten uns die Bereitschaftsbullen, wir, die unseren hängenden Genoss:in festhielten, und zogen uns weg, obwohl wir mehrfach erklärten, dass unser Genoss:in fallen und möglicherweise sterben würde, wenn wir loslassen würden. Es war Glück, nicht Sorgfalt seitens der Bullen, dass unser Genoss:in überlebte. Glücklicherweise landete sie auf einem kleinen Riegel an der Seite des Gebäudes. Wäre unser Genoss:in dort nicht gelandet oder wäre sie beim Herunterfallen ausgerutscht und hätte das Gleichgewicht verloren, wäre sie gestorben. Die Bullen haben versucht, sie zu töten. Nach dem Mordversuch an unserem Genoss:in haben sie uns „tyfus weibern“ genannt, uns die Handgelenke verdreht und uns die Treppe hinuntergestoßen. Das erste, was der Nachbar:in unserem Genoss:in, der noch auf dem kleinen Riegel stand, sagte, war, dass sie verhaftet wurden. Die Verhaftung fand auf dem Dach statt und wurde via das Haus des Nachbar:innen durchgeführt. Später sollten wir feststellen, dass er die Bullen schon reingelassen hatte, bevor er uns aufforderte, herauszuklettern – oder vielleicht war er ein Zivi.

Nachdem sie von unserer Genossin weggezerrt wurde, die sich immer noch in einer gefährlichen Situation auf dem Dach befand, durchsuchte ein männlicher Bereitschaftsbulle unsere PoC weibliche Genossin, sowohl innerhalb des Gebäudes als auch draußen beim Einsatzwagen. Obwohl sie protestierte, dass sie von einer weiblichen Bulle abgetastet werden sollte, hörten sie nicht zu. Verschiedene Bullen erkundigten sich etwa 5 Mal, ob unsere PoC Genossin „irgendwelche scharfen Gegenstände bei sich habe“. Diese Frage wurde nicht ein einziges Mal bei unseren beiden weißen Genoss:innen gestellt. Außerdem wurde ein unschuldiger PoC Passant ohne Provokation von den Bullen gepackt und verprügelt.

Wir wollen damit keineswegs sagen, dass diese Situation eine Ausnahme ist. Bullen sind Klassenverräter:innen und Rassist:innen. Sie morden und belästigen POC auf unseren Straßen, in ihren Häusern und in Gefängnissen, wann immer sie können, wann immer sie Lust haben.

NV ZEEDIJKs Green Light District ist ein staatlich subventioniertes Gentrifizierungsprojekt, das mit Steuergeldern bezahlt wird:

NV Zeedijk ist ein Unternehmen, das größtenteils im Besitz der Stadt ist (78%), sie kauften das Gebäude am Oudezijds Voorburgwal 136 mit Steuergeldern. Janny Alberts ist die Direktorin von NV Zeedijk. Die Stadtverwaltung hat Orte wie diesen aufgekauft, die sie als „Kriminelle“ ansieht (in unseren Augen sind alle Vermieter:innen Schmarotzer, ob sie nun kriminell sind oder nicht, denn aller Reichtum wird durch die Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung erwirtschaftet), um das Rotlichtviertel „schöner“ zu machen. In Wirklichkeit ist die „Greenlight-Stadtteil-Kampagne“ von NV Zeedijk Gentrifizierung gemischt mit einer guten Dosis Greenwashing. Sie verdrängen die Armen und die Situation für Sexarbeiter:innen, die sich ohnehin schon in einer prekären Lage befinden, verschlechtert sich. Mit den vielen Fenstern, die geschlossen werden, sind die Mietpreise für diejenigen, die übrig geblieben sind, gestiegen. Dadurch sind die Sexarbeiter:innen gezwungen, schlechtere Verträge zu akzeptieren. Die Kampagne der Stadtverwaltung, das Rotlichtviertel „aufzuräumen“, ist eine Kampagne der sozialen Säuberung. Sie entfernen Menschen, die sie nicht mögen, aus ihrem Blickfeld.

Oudezijds Voorburgwal 136 war früher sozialer Wohnraum. Die Familien, die dort lebten, mussten das Gebäude verlassen, nachdem die Person, auf deren Namen der ursprüngliche Sozialmietvertrag abgeschlossen wurde, gestorben war. Obwohl NV Zeedijk noch auf die Baugenehmigung wartet und es noch keine klaren Pläne mit dem Gebäude gibt, sieht es so aus, als ob sie Luxuswohnungen an einem Ort bauen werden, der früher einmal ein soziales Mietobjekt war. Das Gebäude stand seit 3 Jahren leer, als wir es besetzten, bis auf einige Hauswächter (Anti-Hausbesetz-Hauswächter:innen sind keine Mieter:innen, sie sind Wächter:innen, die unter prekären Bedingungen leben und ihre Mieterrechte abgetreten haben).

NV Zeedijk repräsentiert alles, was wir ablehnen. Sie benutzen die Sprache des sozialen Bewusstseins, um ihre soziale Säuberungsaktion zu vertuschen. Sie haben 3-4 Familien vertrieben, damit eine angeblich umweltfreundliche Firma ihre überteuerten Seifenriegel verkaufen kann. Sie ließen die obersten Etagen (die, die wir besetzt hatten) drei Jahre lang leer stehen. Und auf ihrem Gebäude zeigen sie stolz die Sklaverei und den Kolonialismus, an dem die Niederlande beteiligt sind.

Was du tun kannst, um zu unterstützen:

Macht weiter mit den Hausbesetzungen, engagiert euch bei der Anarcho-Feministischen Gruppe Amsterdam (https://afga.neocities.org/), macht antirassistische Arbeit. Solidarisiert euch mit Marisella de Cuba ( https://vloerwerk.org/category/acties/ced/) und anderen antirassistischen Aktivist:innen.

Verbreitet die Nachricht über NV zeedijk und die zwielichtigen Dinge, die sie tun, hinterlasst zum Beispiel eine Bewertung hier (https://nl-nl.facebook.com/ZeedijkAmsterdam). Hinterlässt eine Bewertung beim ‚Woke‘ Seifen-Bar (https://www.instagram.com/naturebarsoap/).

Unsere E-Mail Adresse: anarchafemsterdam@riseup.net

Amsterdammer Anarcha-Feministische Gruppe


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