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„Ich träume von einer nachhaltigen und friedlichen Gesellschaft ohne Staaten, aber die russische Aggression zwingt mich, in die Armee einzutreten“ [Ukraine]

Ukraine. Ein Beitrag von Dmitriy Mrachik, der von einer Gesellschaft ohne Staaten träumt, aber sich durch den Angriff des russischen Staates zum Militärdienst gezwungen sieht. Wir veröffentlichen den Text von Dmitriy Mrachik ohne Wertung, er zeigt, mit welchen Dilemmas Menschen zu kämpfen haben, wenn sie mit einem imperialen Krieg konfrontiert werden.

Bild: Archivbild. Trümmer eines Zivilgebäudes nach schwerem Beschuss in Donezk. Ostukraine, 1. Juni, 2015. Bild von Mstyslav Chernov unter Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International Lizenz.

Veröffentlicht von Dmitriy Mrachik Telegram channel. Übersetzt von Riot Turtle.

Zunächst einmal ein paar Worte zu meiner Person. Mein Name ist Dmitry, ich bin ukrainischer, belarussischer, polnischer und tatarischer Abstammung. Ich bin Tattoo-Künstler, Schuhmacher und Schriftsteller.

Als demokratischer Sozialist stehe ich für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Feminismus, LGBT+-Rechte, Organisationsfreiheit und Syndikalismus. Ich glaube nicht an Nationalismus, sondern bin der Meinung, dass die Menschen ein Recht auf Selbstbestimmung und den Schutz ihrer eigenen Kultur für die Vielfalt der Menschheit haben.

Schon in den frühesten Jahren meines Lebens hatte ich mit russischem Chauvinismus zu kämpfen. Ich wurde von russischen Freund*innen und Verwandten beschuldigt, Ukrainer zu sein. Diese Leute hassen einfach die Tatsache, dass die Ukraine ein souveräner Staat ist, und hegen starke Ressentiments gegen die Ukraine, als eine andere Gesellschaft mit eigener Kultur und eigenem politischen Leben.

Hunderttausende von Ukrainer*innen sind infolge der russischen Invasion im Jahr 2014 geflohen. Sie verloren ihre Häuser, Arbeitsplätze, Freund*innen und Verwandte, während die russischen Proxys buchstäblich Donbass plünderten und die Krim übernahmen.

Ich habe keine Probleme mit Russland, außer der Tatsache, dass es der Ukraine das Recht auf Unabhängigkeit und das Recht auf Selbstverteidigung verweigert. Ich träume von einer nachhaltigen und friedlichen Gesellschaft ohne Staaten, aber die russische Aggression zwingt mich, in die Armee einzutreten, so werde ich dem neuen Zyklus des Krieges im Rang eines Offiziers entgegentreten.

Ich bin der Meinung, dass das Problem des Rechtsextremismus eine gemeinsame Krankheit aller Nationen ist, und denke, dass jede Nation es selbst bekämpfen muss. Im Moment ist die Ukraine eine demokratische Republik mit der besten Menschenrechtssituation unter allen postsowjetischen Staaten. Ich werde für meine Republik kämpfen und wahrscheinlich für sie sterben, weil ich keine andere habe.

Es wäre großartig, wenn meine westlichen Leser*innen wahrheitsgemäße Informationen über die anhaltende russische Aggression verbreiten und den Ukrainer*innen helfen würden, sich auf zukünftige Kämpfe vorzubereiten.

Dmitriy Mrachik

22. Februar, 2022

Folge Dmitry auf Telegram: https://t.me/delamrachnik


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