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Amador Fernández Savater: Den Krieg neu denken

Den Krieg neu denken, was bedeutet das? Lernen, die Welt strategisch zu betrachten. Die Nachrichten, Rechte, Gesetze, Reden, Bilder… Sie als Operationen, als Kräfte (der Besatzung oder des Widerstands) verstehen: nicht nur das, was sie sagen, sondern auch das, was sie (mit uns) tun.

Ursprünglich veröffentlicht von Lobo Suelto! Amador Fernández Savater. Geschrieben von Übersetzt von Riot Turtle.

Ist das übertrieben? Leben wir nicht, zumindest hier in Europa, in friedlichen Gesellschaften? Eher in befriedeten Gesellschaften, in einem Waffenstillstand. Aber Waffenstillstand ist nicht Frieden, sondern die Fortsetzung der Kampfhandlungen mit anderen Mitteln.

Worum geht es in diesem Krieg? Der Krieg, um die ganze Erde im Namen des wirtschaftlichen Nutzens zu beherrschen: das Leben, das Wissen und die Körper, die Landschaft und die Stadt, der Berechnung unterzuordnen, in Ausdehnung und Intensität zu erobern, alles zu zerstören, was – innerhalb oder außerhalb von uns selbst – nicht passt, aus allem eine Wüste zu machen.

Der Krieg, so sagte ein deutscher Philosoph, der dies eine Zeit lang verstand, ist eine Prüfung sowohl der Stärke als auch der Übersetzung. Was hat er damit gemeint? Einerseits geht es um Gewalt: Angst, Repression, die Drohung der physischen Zerstörung. Andererseits ist es eine Frage der Bedeutung: Gewinnen heißt überzeugen, die Kategorien des Herrschenden in den Beherrschten zu etablieren.

Macht uns das Denken über den Krieg zu Soldat*innen? Das ist nur dann der Fall, wenn wir den Krieg als Spiegel betrachten, den Krieg, der vom anderen, dem Starken definiert wird. Aber wir können Deserteur*innen sein, den Guerillakrieg praktizieren, defensiv und nicht offensiv denken, den Krieg annehmen, ohne unsere Zärtlichkeit zu verlieren, kämpfen, um zu leben und nicht um zu sterben, um einen Wald zu schaffen.

Was ist der Krieg von diejenigen, die keine Macht haben oder wollen, der Krieg von diejenigen, die keinen Krieg wollen?


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