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Grösste Schweizer CO2-Quelle besetzt

Am 3. April wurde die grösste CO2-Quelle der Schweiz besetzt. Die ZAD Geissberg stellt sich der Klimazerstörung vom Zementkonzern Holcim entgegen. Die Zementindustrie ist für 8% der globalen Emissionen verantwortlich. Kommt uns besuchen!

Ursprünglich veröffentlicht von Barrikade Info.

Heute besetzten Klimaaktivist*innen den Steinbruch Gabenchopf des Zementkonzerns Holcim im Kanton Aargau in der Nähe von Brugg. Die Klimaaktivist*innen errichteten die Waldbesetzung ZAD Geissberg, am Rande des Steinbruchs, um dessen Erweiterung zu verhindern. Das zugehörige Zementwerk Siggenthal ist die grösste CO2-Quelle der Schweiz. Die Aktivist*innen fordern einen sofortigen Abbau- und Produktionsstopp, sowie die Demokratisierung des Konzerns Holcim, der weltweit für unzählige Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist.

Bei Schnee und Kälte errichten Klimaaktivist*innen hoch oben in den Bäumen die zweite Waldbesetzung in der Schweiz namens ZAD Geissberg im Kanton Aargau. ’ZAD’ steht kurz für ’Zone à Defendre’, ein Ort, den es zu schützen gilt.

Die ZAD Geissberg verhindert die Erweiterung der Grube, welche den für die Zementproduktion zentralen Kalkstein an die grösste CO2-Quelle in der Schweiz, das Zementwerk Siggenthal, liefert. Bei der Produktion von Zement entstehen riesige Mengen CO2. Dies geschieht einerseits durch die chemische Reaktion, andererseits durch die Verwendung von fossilen Brennstoffen, um genügend Hitze erzeugen zu können. Die Zementindustrie ist für 9% der Schweizer CO2-Emissionen verantwortlich.

„Holcim ist einer der grössten Klimakiller. Dieser zementiert die Klimazerstörung. Wir alle konnten letzten Sommer deren schlimme Auswirkungen wie Überschwemmungen und Waldbrände hautnah miterleben. Mit der ZAD Geissberg stoppen wir hier und jetzt den Klimakiller Holcim.“, sagt Svenja Schmid, Klimaaktivistin.

Die Zementindustrie ist weltweit für 8% der CO2-Emissionen verantwortlich, deutlich mehr als die Flugbranche mit 2%. Wäre der Sektor ein Land, so hätten nur die USA und China einen grösseren Ausstoss. Als global zweitgrösster Zementkonzern ist Holcim seit Beginn der Industrialisierung für 0.16% aller jemals von Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich. Das mag nach wenig klingen, ist aber mehr als die historischen CO2-Emissionen von ganz Norwegen.

Sara Pfister, Kletteraktivistin: „Holcim macht sich dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Klimazerstörer schuldig. Die Machenschaften von Holcim bringen Menschen um. Wir stellen uns diesem Verbrechen von globalen Ausmass hier auf dem Geissberg entgegen.“

Raubbau am Geissberg und weltweit stoppen

Die ZAD Geissberg befindet sich in der Rodungszone des Steinbruchs. Um weiterhin Kalkstein für die Zementproduktion abbauen zu können, muss die Grube erweitert werden. „Obwohl der Geissberg als Teil des Aargauer Tafeljuras zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) gehört, betreibt Holcim dort seit Jahrzehnten Raubbau an der Natur. Er nimmt keine Rücksicht auf geschützte Arten und die grosse Gämsepopulation.“, meint Gerhard Heiny, Biologiestudent und Aktivist.

Holcim betreibt Zementwerke in 90 Ländern mit über 70’000 Arbeiter*innen. Innerhalb von zwei Jahren sind dabei 151 Arbeiter*innen Holcims an Arbeitsverletzungen gestorben. Bekannt sind Fälle von Atembeschwerden, giftigen Schadstoffe, durch Kohle zerstörte Meeresökosysteme und massiver Unterdrückung gewerkschaftlicher Organisierung. Insgesamt sind über 122 Menschenrechtsverbrechen in 34 Ländern bekannt. Holcim finanzierte auch den sogenannten Islamischen Staat mit Millionenbeiträgen.

„Holcim ist einer der korruptesten und schlimmsten Konzerne dieser Welt. Er zerstört die Lebensgrundlagen von Mensch und Umwelt. Er treibt Menschen in unsägliches Leid oder nimmt sogar deren Tod in Kauf. Wir lassen dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht mehr länger zu. Uns steht der Beton bis zum Hals. Wir brechen mit diesem zementierten Status Quo der Klimazerstörung.“, meint Svenja Schmid.

Demokratische Kontrolle über Holcim

Die Aktivist*innen der ZAD Geissberg sind gekommen, um zu bleiben. „Wir haben bewusst die Aktionsform der Waldbesetzung gewählt, weil wir so direkt den Ausbau des Steinbruchs verhindern. Holcim kann aufgrund unserer Präsenz keine Bäume mehr roden und Sprengungen durchführen.“, sagt Gerhard Heiny. Svenja Schmid ergänzt: „Die Zeit der symbolischen Blockaden ist vorbei. Wenn wir Holcim nicht aufhalten, wird es niemand machen.“ Die ZAD Geissberg ist nach der ZAD de la Colline die zweite Schweizer Waldbesetzung in dieser Form.

Die Aktivist*innen haben konkrete Forderungen, wie die Klimazerstörung durch Holcim und die ganze Zementindustrie gestoppt werden kann: „Wir fordern einen sofortigen Abbaustopp hier am Geissberg und weltweit. Dies muss in einer demokratischen Form geschehen, darum muss Holcim und die restliche Wirtschaft demokratische kontrolliert werden.“, meint Sara Pfister. Gerhard Heiny fügt hinzu: „Das stetige Streben nach Wachstum führt zu steigenden CO2-Emissionen von Holcim, obwohl deren CO2-Austoss pro Tonne Zement nach eigenen Angaben abnimmt. Darum braucht es die Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, um die Klimakrise stoppen zu können.“

Weitere Informationen zu Holcim

Ausführliche Informationen mit zahlreichen weiteren Fakten finden Sie auf folgender Webseite: wald-statt-beton.com

Foto- und Videomaterial

Auf der Website: wald-statt-beton.com

Kontakt

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Mail: waldstattbeton@riseup.net

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Waldspaziergang

Am Sonntag, dem 3. April, findet um 16:00 in der ZAD Geissberg ein Waldspaziergang statt. Sie sind herzlich dazu eingeladen. Dort werden Sie alle wichtigen Informationen zur Besetzung und den klimazerstörenden Verbrechen Holcims erhalten.

Einladung

Medienschaffende sind herzlich eingeladen, die ZAD Geissberg zu besuchen.

Wir bitten Sie, sich vorab via Telegram bei folgendem Account @waldstattbeton anzumelden. So können wir Sie vor Ort in Empfang nehmen.

Anreise

Reisen Sie nach Brugg. Am Wochenende gibt es jeweils eine stündliche, unter der Woche eine halbstündliche Verbindung aus allen grösseren Schweizer Städten dorthin. Von Brugg nehmen sie den Bus Nummer 367 nach Bushaltestelle Villigen, Husberg.

Ab der Bushaltestelle ist es noch ungefähr eine Stunde Gehzeit. Nehmen Sie gutes Schuhwerk mit, gerade der Anstieg zu Beginn ist sehr steil. Wir empfehlen Ihnen, die Strasse zu benützen.

Die Waldbesetzung befindet sich am östlichen Rand der Grube Gabenchopf.

Die genauen Koordination lauten: 47°31′47.257″N 8°10′52.944″E

Kontaktieren Sie uns unbedingt nochmals kurz vor Ihrer Ankunft per Telegram.

Corona-Konzept

Wir bitten Sie, sich vor Ihrer Ankunft testen zu lassen, auch wenn Sie geimpft oder genesen sind. Nehmen Sie Hygienemasken mit im Falle von grösseren Ansammlungen. Desinfiszieren Sie bitte regelmässig Ihre Hände. Kommen Sie nicht vorbei, wenn Sie Krankheitssymptome aufweisen oder Kontakt zu einer Covid-erkrankten Person hatten.

Verhaltensregeln in der Waldbesetzung

Zur Sicherheit der Aktivist*innen bitten wir Sie, folgende Punkte einzuhalten:

- Melden Sie sich vor dem Besuch per Telegram bei @waldtstattbeton oder per E-Mail bei waldstattbeton@riseup.net. Dies ist wichtig, sodass eine Medienkontakperson Sie durch die Waldbesetzung führen kann.

- Machen Sie sich als Journalist*in erkenntlich und stellen Sie sich jeweils so vor.

Für das Erstellen von Foto und Film gelten folgende Punkte:

- Menschen dürfen nur mit Erlaubnis fotografiert werden. Dies gilt aus jede Blickrichtung. Wenn Fragen Sie jeweils vorher in die Runde, sodass sich Personen allenfalls entfernen können. Die Folgen von polizeilicher Repression können bei einer Identifikation sehr hoch sein.

- Strukturen können nur unter Rücksprache mit einer Medienkontaktperson fotografiert werden. Dies dient dazu, um die Sicherheit von Aktivist*innen zu gewährleisten.


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