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Die Ebenen des Kriegs: Beobachtungen einer Internationalistin in Rojava – Teil 1 und Teil 2

Zurzeit führt die Türkei eine groß angelegte Angriffswelle gegen die Gebiete der Autonomen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens (AANES) durch, im Visier befinden sich vor allem die Zivilbevölkerung und die zentrale Infrastruktur. Seit Monaten droht Erdogan mit einer weiteren Bodeninvasion in der auch als Rojava (Westkurdistan) bekannten Region. Ich nutze diese Gelegenheit, um die Situation der letzten Monate aus meiner Perspektive als Internationalistin aus Deutschland zu beschreiben. – Offener Brief von Nûdem Tolhildan .

Ursprünglich veröffentlicht von ANF News. Teil 1 hier. Teil 2 hier.

Die Ebenen des Kriegs: Beobachtungen einer Internationalistin in Rojava Teil 1

„Krieg geringer Intensität“ bedeutet permanenter Krieg

Die Erde bebt leicht von den Bombardierungen der Nachbardörfer, ein entferntes Dröhnen ist zu hören. Wir sind in unseren Stellungen, bereit zur Verteidigung, falls nötig. Später in den Nachrichten erfahren wir von den Kindern, die in dem nahegelegenen Dorf getötet wurden. Vier Kinder. Wie die vielen, die wir auf den Straßen herumlaufen sahen, die Schafe und Ziegen hüteten oder Gruppenspiele spielten. Nun hat der Feind sie getötet, sie sind gefallen durch Bomben, die die Türkei über die Grenze schickte, in einem Krieg, der darauf abzielt, die kurdische Gesellschaft und das Leben und die Kultur der anderen ethnischen Gruppen in der Region zu zerstören. Er richtet sich gegen die Freiheitsbewegung, den Kampf für einen demokratischen Nahen Osten und gegen die Selbstverwaltung des Volkes, gegen das noch bestehende gemeinschaftliche Dorfleben. Die Türkei zielt darauf ab, dieses Land zu entvölkern, wobei die ständige Tötung von Kindern die Gesellschaft an ihrer verwundbarsten Stelle trifft. Mit dem Beschuss der Infrastruktur und der Häuser, ohne allzu viele menschliche Opfer zu verursachen, will die Türkei die Menschen aus den Dörfern, in die sie als Nächstes eindringen will, vertreiben und diese Dörfern unbewohnbar machen, ohne dabei zu viel weltweite Aufmerksamkeit zu erregen. Kontinuierliche so genannte Kriegsführung niedriger Intensität – das bedeutet, dass der Krieg immer präsent ist, immer eine unterschwellige Bedrohung darstellt.

Der Wasserkrieg und die wirtschaftliche Kriegsführung

Als YPG- und YPJ-Einheiten sind wir auf den Einmarsch der türkischen Armee und ihrer Söldner vorbereitet, warten darauf, während Erdogan damit begonnen hat, das Gebiet massiv mit Flugzeugen zu bombardieren. Aber je mehr Zeit ich in der Region verbracht habe, desto mehr verstehe ich die Komplexität des Krieges, den die Türkei gegen die kurdische Gesellschaft, gegen die Menschen im Nahen Osten führt. Vor allem der Wirtschaftskrieg ist für alle Menschen in der Autonomieregion präsent. Das Embargo macht alles teurer und schwieriger zu bekommen, obwohl die Autonomieverwaltung Grundbedürfnisse wie Diesel und Brot subventioniert, um die Preise niedrig zu halten. Die materielle Situation in der selbstverwalteten Region ist im Allgemeinen viel besser als im Assad-kontrollierten Teil Syriens. Der Autonomieverwaltung ist es in den letzten Jahren gelungen, Produktionsstätten für einige Grundbedürfnisse aufzubauen – zu Zeiten des Regimes war das Gebiet eher ein Ressourcenpool in kolonialer Manier, so dass es fast keine Produktionsstätten gab. Aufgrund des Embargos ist es jedoch sehr schwierig, die notwendigen Maschinen zu bekommen.

Der türkische Staat spielt seit Jahren seine Macht an den Grenzen zur Türkei und nach Südkurdistan sowie an den Staudämmen aus, um die Selbstverwaltungsbemühungen zu sabotieren. Gerade in diesem Jahr sind die Wasserstände wieder gesunken und Wasser ist in einigen Gebieten zum Luxus geworden, während sich Krankheiten ausbreiten. Auf diese Weise versucht die Türkei, ein menschenwürdiges Leben unmöglich zu machen, und die Menschen müssen täglich unter Entbehrungen leiden. All dies sind die alltäglichen Auswirkungen des türkischen Krieges, die noch weniger sichtbar sind als der ständige Beschuss der Grenzregionen.

Krieg der Informationen

Dann kommt die permanente Sonderkriegsführung hinzu, um die Köpfe der Menschen mit Unmengen von falschen Informationen zu manipulieren. Ich wusste davon, aber dennoch hat es mich mit Wut und Erstaunen erfüllt, wie unverblümt die mit der Türkei verbundenen Medien lügen, d.h. aktiv ihre Lügen über Fernsehsender wie Rudaw TV und andere verbreiten. Als zum Beispiel der Aufstand im IS-Gefängnis in Hesekê Anfang des Jahres stattfand, sagten der Rudaw-Kanal und andere die Türkei unterstützende Medien, dass diese Gefangenen nicht zum IS gehörten und sich nur gegen die harten Bedingungen im Gefängnis aufgelehnt hätten und dass die PKK dies als Chance für einen weiteren Völkermord nutze… Auf solch grundlegende Art und Weise lügen sie, während die Türkei den Ausbruch von IS-Mitgliedern mit Luftangriffen auf Selbstverteidigungskräfte, die zu den Kämpfen unterwegs waren, aktiv unterstützt hat. Viele der Waffen, die beim IS im Gefängnis gefunden wurden, waren NATO-Waffen, und das Ziel der ausgebrochenen Islamisten war es, in die von der Türkei besetzten Gebiete zu gelangen, wo sie sich neu organisieren.

Wie sehr die Türkei direkt Befehle erteilt und alle islamistischen Banden einschließlich der Aktivitäten des IS in diesem Gebiet finanziert, habe ich erst verstanden, als ich hier in Rojava war. In den westlichen Ländern wird dieses Thema angesichts der massiven Unterstützung, die die Türkei immer noch von der EU erhält, gerne ignoriert. Nach Aussagen von IS-Mitgliedern, die von den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) verhaftet wurden, kontrolliert der türkische Geheimdienst im Grunde Schläferzellen in ganz Nordostsyrien und gibt ihnen Anweisungen sowie materielle und personelle Unterstützung. Aber das ist ein Thema für einen weiteren Artikel (für weitere Informationen siehe z.B. Interviews mit YPJ-Kommandantinnen auf dem youtube-Kanal von YPJ Info mit englischen Untertiteln).

Manipulation findet auch auf viel subtileren Wegen statt, indem Diffamierungen gegen die Selbstverwaltung verbreitet werden und versucht wird, die Stimmung in der Bevölkerung über soziale Medien und Agent:innen in der Gesellschaft zu beeinflussen. Und in diesen Zeiten wird den Menschen ein bequemer Weg nach Europa versprochen, wo die Not ein Ende haben würde. Die islamistischen Banden in den besetzten Gebieten werden als Schmuggler eingesetzt, sie wollen aus dem von ihnen verursachten Elend Profit schlagen.

Das Ziel der Türkei: Vertreibung der Bevölkerung

Auf diese Weise plant die Türkei, das Gebiet von der kurdischen Bevölkerung zu „säubern“, die sie insgesamt als potentielle Bedrohung für ihre eigenen imperialen Pläne ansieht (wie kürzlich erneut eine Äußerung Erdogans zeigte, in der er die gesamte kurdische Bevölkerung in der Türkei als Terroristen bezeichnete), und ein Gebiet zu schaffen, um die Hunderttausende von geflüchteten Menschen aus Syrien und anderen Ländern, die in den letzten Jahren in die Türkei kamen, dort anzusiedeln. Zur Realität in den besetzten Gebieten um Efrîn, Girê Spî und Serêkaniyê hat das Rojava Information Center mehrere detaillierte Berichte auf Englisch verfasst. Und ich habe noch nicht einmal über die Dutzende von Drohnenangriffen der Türkei in den letzten Monaten geschrieben, mit denen die engagiertesten Menschen getötet und versucht wurde, die Köpfe und Herzen der Revolution zu vernichten, ohne zu verstehen, dass die Moral und der Kampfgeist der Revolution mit jedem dieser Angriffe noch stärker werden.

Widerstand durch die Welatparêz-Mentalität

Als ich mit Dorfbewohner:innen sprach, schöpften sie viel Motivation aus der Tatsache, dass ich aus Europa hierher gekommen bin, um an ihrer Seite gegen die Türkei und die von ihr gesteuerten islamistischen Banden zu kämpfen und das Land und die Lebensweise zu schützen. Und ich war wirklich beeindruckt von der Radikalität der Familien, die als welatparêz bezeichnet werden und ihr Land schützen. Das bedeutet, das eigene Land wirklich zu verteidigen und nicht zu gehen, wenn der Feind dich einkesselt. Bis zur letzten Kugel zu kämpfen und notfalls dein Leben bei der Selbstverteidigung zu geben.

„Wir haben keine Angst vor euren Bomben, euren Gewehren, wir haben keine Angst, bis in den Tod“, sang ein älterer Mann in einem dengbêj-Lied, der traditionellen Art zu singen, ein Großvater von vielen süßen kleinen Mädchen, während wir auf seiner Veranda nicht weit von der türkischen Grenze saßen. Menschen wie er kämpfen gegen die Mentalität des Völkermords und der Besatzung, die Mentalität von Hunderten Jahren der Unterdrückung. Er erzählt von seiner langen Kampferfahrung, von der Zeit der Aufstände (ku: serhildan) in Nordkurdistan, also den kurdischen Gebieten im türkischen Staat, Anfang der 1990er Jahre, an denen er sich beteiligte. Auch über die Zeiten der geheimen Selbstorganisation während der Zeit des Assad-Regimes, und natürlich die Zeit in der Rojava-Revolution nach 2012, seine Teilnahme am Kampf gegen den IS. Und er verbreitet weiter Motivation und gute Laune für die kommenden Kämpfe.

Ein Aufruf: Beobachtungen einer Internationalistin in Rojava Teil 2

Zurzeit führt die Türkei eine groß angelegte Angriffswelle gegen die Gebiete der Autonomieverwaltung Nord- und Ostsyriens (AANES) durch, im Visier befinden sich vor allem die Zivilbevölkerung und die zentrale Infrastruktur. Seit Monaten droht Erdogan mit einer weiteren Bodeninvasion in der auch als Rojava (Westkurdistan) bekannten Region. Ich nutze diese Gelegenheit, um die Situation der letzten Monate aus meiner Perspektive als Internationalistin aus Deutschland zu beschreiben.

Europäische Verantwortung

Wie können die Europäer:innen die Augen vor dem ständigen Völkermord an der kurdischen Bevölkerung verschließen, die für Europa zum Verhandlungsobjekt gemacht wird? Ich meine nicht die Staaten, die dieses Spiel spielen, sondern wir als Bevölkerung, wie können wir uns so sehr von den Realitäten in anderen Gebieten entfremden, dass wir diese Ereignisse unbeantwortet, ja unbemerkt lassen? Die Türkei wurde im Kalten Krieg im Interesse der NATO als Puffer gegen die Sowjetunion benutzt, in den letzten Jahren benutzt die EU sie als Torwächter, indem sie Erdogan Geld gibt, damit er nicht zu viele Flüchtlinge an die Grenzen von Griechenland und Bulgarien lässt. Sie verkauft die Panzer und andere Waffen, die die Türkei vielleicht schon morgen einsetzen will, um diese Dörfer zu überrollen. In Deutschland wird uns beigebracht zu vergessen, den Krieg nicht zu sehen, in den wir verwickelt sind, den dritten Weltkrieg, der schon lange vor dem Krieg in der Ukraine begonnen hat. Abdullah Öcalan, der als Wegweiser für die kurdische Freiheitsbewegung gilt, hat einmal gesagt, dass sie zu 50 Prozent gegen den türkischen Staat und zu 50 Prozent gegen die Mächte kämpfen, die die Türkei unterstützen, allen voran die NATO. Ohne deren Erlaubnis kann die Türkei in der Region nicht einmal einen Finger rühren.

Was bedeutet Internationalismus in diesem Zusammenhang?

Wenn man von Internationalismus spricht, als ob es darum ginge, im Krieg der anderen zu kämpfen, dann ist das für Kurdistan eine völlig falsche Vorstellung. Als Europäer:innen, vor allem als Deutsche, Französ:innen, oder Engländer:innen ist dies unser Krieg – solange wir uns nicht entschließen, aktiv Partei für die demokratischen Kräfte im Mittleren Osten zu ergreifen, unterstützen wir die falsche Seite. Unser Schweigen ist tödlich. Und so wie viele mutige Genoss:innen aus der Türkei, die hierher kamen und im Kampf gegen den Staat, aus dem sie kamen, gefallen sind – um Verantwortung zu übernehmen und für die Möglichkeit eines freien Lebens zu kämpfen – kamen auch Europäer:innen und sollten noch zahlreicher kommen, um ihren Platz zum Schutz der menschlichen Grundwerte einzunehmen. Gerade als Frauen aus der ganzen Welt hierher zu kommen, ist ein sehr sinnvoller Beitrag, um von den jahrzehntelangen Erfahrungen des kurdischen Frauenbefreiungskampfes zu lernen. Indem ich an der Seite der Genossinnen kämpfte und organisierte, lernte ich innerhalb weniger Monate mehr über mich selbst, die Kultur in Westeuropa und im Mittleren Osten, die Realität des antikolonialen und antipatriarchalen Kampfes als je zuvor in meinem Leben. Die YPJ sind eine demokratische Kraft für die Befreiung der Frauen, die sich aus Frauen aus der Gesellschaft zusammensetzt, um ihr Heimatland zu verteidigen. Es ist eine große Chance, dass die Frauenbefreiungsbewegung feministische Frauen und Frauen, die weltweit für die Freiheit kämpfen, aufruft, sich ihr anzuschließen und in den Reihen der Frauenarmee zu kämpfen. Aber auch wenn wir nicht hierherreisen können, können wir beginnen, uns an den Orten, an denen wir leben, zu organisieren, um aktiv am Kampf teilzunehmen, wie bei den Kampagnen von Women Defend Rojava oder bei der Organisation von Selbstbildungskursen über die Ideologie der Bewegung. Auf diese Weise können wir als internationalistische Frauen eine entscheidende Rolle spielen und am Jahrhundert der Frauenbefreiung teilnehmen. Der Feind hat die Gefahr, die organisierte Frauen für ihn darstellen, längst erkannt. Gerade in den letzten Monaten wurden viele wertvolle, mutige Genossinnen ins Visier genommen: Gefallene wie Jîyan Tolhildan, die eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den IS einnahm oder Nagihan Akarsel, die wichtig war für die Weiterentwicklung der Jineolojî, der Wissenschaft von Frauen und Leben, die Teil des kurdischen Befreiungskampfes ist, und viele viele mehr. Die Türkei hat eine Kultur des Femizids gegen die Bewegung etabliert, auf die wir mit noch größerem Widerstand antworten müssen.

Der Krieg gegen die Freiheitsbewegung wird in den Bergen ausgetragen

Der Krieg gegen das kurdische Volk, der Krieg gegen die Menschlichkeit, den die Türkei führt, betrifft nicht nur Rojava, denn eigentlich ist Rojava sogar nur ein kleiner Teil davon. Wenn wir uns die anderen Teile Kurdistans, die anderen Teile des Mittleren Ostens anschauen, dann können wir erst das ganze Bild betrachten. Die Revolution in Rojava ist so eng mit dem Krieg in den anderen Teilen verbunden, der Krieg in dem einen Gebiet wirkt sich auf die anderen Gebiete aus und andersherum. Es ist eine große Schande für die internationale Gemeinschaft der offenherzigen Völker, für die Gesellschaften in Europa, dass die Türkei in den Bergen Südkurdistans seit nunmehr sechs Monaten einen brutalen Krieg mit chemischen Waffen führt und es nur sehr wenige Reaktionen der Öffentlichkeit darauf gibt, sehr wenige ethische Aufschreie dagegen. Um die Aufmerksamkeit auf diese Tötungen mit chemischen Waffen in den Bergen zu lenken, haben sich im Oktober zwei Guerillakämpferinnen, Sara Tolhildan und Rûken Zelal, in einer Polizeistation in Mersin (eine Küstenprovinz im Süden der Türkei) in die Luft gesprengt, um das völlige Schweigen über diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu brechen, die die Türkei mit Hilfe der NATO begeht. Das Giftgas wird in westlichen Ländern gekauft, die Technologie wird in Europa hergestellt. Nun hat die Guerilla vor wenigen Wochen ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie ein Guerillakämpfer durch die chemischen Waffen stirbt, eine Szene, die wir als einen dringenden Aufschrei lesen müssen. Warum reagiert niemand darauf, warum lässt man es einfach geschehen, als wäre das normal? Warum gibt es keine Aktionen der Solidarität dagegen? Warum werden keine öffentlichen Erklärungen dagegen abgegeben? Wenn wir uns so sehr an diese Art von Gewalt gewöhnen können, dass es uns nicht mehr berührt, diese Art von Bildern zu sehen, dann töten wir auch den Rest des menschlichen Wesens in uns selbst. Die Türkei hat in den letzten Jahren chemische Waffen eingesetzt, auch in Rojava, auch gegen die Bevölkerung. Das wurde offiziell am Fall eines kleinen Jungen im Serêkaniyê-Krieg bewiesen, und wurde dieser Tage in einem Dorf im nicht besetzten Teil Efrîns wiederholt. Wenn wir es zulassen, wird die Türkei auch weiterhin Giftgas gegen die kurdische Freiheitsbewegung sowie die Bevölkerung einsetzen. Daraus können wir die Notwendigkeit erkennen, dagegen aufzubegehren und unsere Bemühungen jeden Tag größer werden zu lassen.

Organisieren wir uns und nehmen wir an der Frauenrevolution teil

Hier im Krieg zu kämpfen ist nicht nur eine Frage der Waffen, denn der Krieg hat sein Gesicht verändert. Die Bereiche der Kriegsführung sind nicht nur das Militär, die physische Konfrontation. Es ist auch ein Krieg der Desinformation und Manipulation, ein Krieg der Ideologie, ein Krieg der Wirtschaft, ein Krieg gegen die Kultur und gegen die Natur. Es ist ein Teil des dritten Weltkriegs, an dem alle großen hegemonialen Kräfte beteiligt sind. Als wir über die Strategien sprachen, wie wir diesen Kampf gewinnen werden, betonte eine Freundin die Rolle der westlichen Staaten und unseren Einfluss auf sie, um die Menschen zum Aufstand zu bewegen und die aktuelle Politik zu ändern, sowie die Waffenindustrie daran zu hindern, mit Völkermorden Gewinne zu machen. Die Freunde fragen uns als Internationalist:innen aus Europa in letzter Zeit oft, wo die Menschen seien, die mit uns als kurdische Freiheitsbewegung solidarisch sind, während unsere Freund:innen in den Bergen Südkurdistans mit verbotenen Waffen brutal getötet werden? Wenn sie chemische Waffen einsetzen, das Land und die Natur zerstören, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen? Wer steht neben uns, wenn wir für den Schutz der Revolution von Rojava kämpfen? Wir sollten uns gegen diese Angriffe des türkischen Staates erheben, unser Umfeld, unsere Freunde und Familien mobilisieren, alle möglichen Methoden nutzen, um über diesen Krieg zu informieren und kreativ zu sein, um auf der Seite des Freiheitskampfes hier zu stehen. Die Lage ist ernst. Wir sollten uns vor Augen führen, welch wichtige Rolle die Guerilla in den Bergen als Garant für Hoffnung auf globaler Ebene und im Kampf für eine demokratische Lösung im Mittleren Osten spielt. Sie ist die Vorhut der Frauenbefreiung weltweit und das Rückgrat der Revolution in Rojava. Die Revolution von Rojava selbst ist der Hoffnungsschimmer des letzten Jahrzehnts für alle Menschen, die für die Freiheit kämpfen. Wenn die Rojava-Revolution verliert, werden alle freiheitsliebenden Menschen weltweit einen Verlust erleiden. Wir sollten uns mit unseren Aktionen auf die Seite des kurdischen Befreiungskampfes stellen, denn jeder Tag, der vergeht, ist ein Tag, an dem unsere Genoss:innen getötet werden. Es ist unsere historische Pflicht, unsere Haltung zu zeigen, aktiv zu werden und die Menschen um uns herum zu mobilisieren. Wenn nicht wir, wer sonst soll es tun, wenn nicht wir jetzt, wann dann? Worauf warten wir noch?

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