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No Border Kitchen Lesvos: Kaltes Wetter. Regen. Und jetzt eine noch nie dagewesene Welle von Ablehnungen

Lesbos. Griechenland. Erklärung von No Border Kitchen Lesvos zur aktuellen Situation auf der Insel.

Ursprünglich veröffentlicht von No Border Kitchen Lesvos Facebook-Seite (facebook.com/NBKLesvos/). Übersetzt von bratislav metulski für Enough 14.

Kaltes Wetter. Regen. Und jetzt eine beispiellose Welle von Ablehnungen. Die griechische Regierung hat bei Frontex und der EU einen Antrag auf Abschiebung von 1415 Menschen in die Türkei gestellt. (1) Und das, obwohl die Türkei mit Verweis auf die Pandemie seit fast einem Jahr keine Abschiebungen mehr annimmt. Und dies obwohl das Land, in welches sie gegen ihren Willen gebracht werden, Syrien, weit von jeder Sicherheitsnorm entfernt ist, an welche wir uns in Europa klammern würden. Ein Akt fremdenfeindlicher Propaganda, um Menschen die ohnehin schon behandelt werden, als wären sie keine Menschen, weiter zu stigmatisieren. All das ist nichts anderes als eine Absichtserklärung. „Die Inseln leeren“ in seiner offenkundig hasserfüllten und zerstörerischen Art.

Mit den neuen Grenzschutzeinheiten von Frontex, welche die Reichtümer Europas gegen die „Invasion der Barbaren“ verteidigen sollen, ist es nicht schwer zu erkennen, in welche Richtung es gehen soll. Beides sind Symptome sowohl des zunehmenden Empire-Fetischs der Festung Europa und der damit einhergehenden Militarisierung der Grenzen als auch des zunehmenden rechtsextremen Populismus Griechenlands mit seiner eigenen Palette an kulturellen Besessenheiten.

Da wir es wohl kaum besser erklären könnten als der Mann selbst, sei hier zitiert, wie es der Frontex-Chef Lagerri laut dieser Quelle formulierte (2):

„Darüber hinaus stellt der Autor fest, dass der Exekutivdirektor den Mitarbeitern „wiederholt klar gemacht hat“, dass „Frontex kein teurer Rettungsdienst sei“, und den Mitarbeitern im operativen Bereich zu verstehen gegeben wurde, dass „das Melden von Pushbacks, an denen Frontex-Mitarbeiter beteiligt sind, kein Weg zu Popularität oder Beförderung“ innerhalb der Agentur sei.“

Fabrice Leggeri

Sie bauen ein neues geschlossenes Lager, nicht nur auf Lesvos, sondern auch auf Chios (3), und planen dies wahrscheinlich auch auf den anderen Inseln und möglicherweise auch auf dem Festland. Da rechtsextreme Rhetorik, Gedanken und Ideen zur „neuen Normalität“ werden, werden die Menschen mit noch gröberen und tödlicheren Hindernissen konfrontiert werden. Wieder einmal missbrauchen Nationalstaaten Menschen als Schachfiguren, um weitere Macht und Stimmen zu erlangen und dadurch verrottete konservative Regierungsstrukturen zu unterstützen. Und wieder einmal werden vermeidbare Verluste und Leiden auf jene Menschen losgelassen, welche alles für Sicherheit und Schutz riskiert haben.

Diese Zunahme an entmenschlichender und herabwürdigender Politik und Handlungen auf der ganzen Welt betrifft nicht nur den Kampf von Leuten auf der Flucht, sondern wird sich letztendlich über alle ausbreiten, welche für eine glücklichere, würdevolle und freie Zukunft für alle kämpfen.

Eine Zukunft ohne Grenzen, Bosse und Bullen.

Werdet wütend. Organisiert euch.

No Border Kitchen Lesvos, 15. Januar, 2021.

(1) https://www.infomigrants.net/en/post/29650/greece-pushing-to-return-1-450-asylum-seekers-to-turkey

(2) https://www.ekathimerini.com/261205/article/ekathimerini/news/olaf-raided-eu-border-chiefs-office-over-migrant-pushback-claims

(3) https://www.ekathimerini.com/261136/article/ekathimerini/news/migration-ministry-to-speed-up-plan-for-new-chios-camp-after-court-ruling


Wir haben zwei Solidaritäts-T-Shirts (Bilder unten) für das Enough Blog und Info-Café (Denn wir brauchen ein neue Räumlichkeiten) entworfen. Ihr könnt die Enough Info-Café-Solidaritäts-T-Shirts hier bestellen: https://enoughisenough14.org/product/t-shirt-wir-werden-nicht-zur-normalitat-zuruckkehren-schwarz/ und https://enoughisenough14.org/product/t-shirt-wir-sind-ein-bild-aus-der-zukunft-schwarz/

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