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Griechenland: Der Geruch des 17. November 1973 – Dimitris Koufontinas: „Ich setze meinen Hungerstreik fort, bis der Gerechtigkeit Genüge getan wurde“

Griechenland. Mittwoch, 10. März 2021. Dimitris Koufontinas ist noch am Leben. Die Spannungen in Athen nehmen nicht ab. In der Nacht wurde ein weiterer Polizist angegriffen, diesmal in Patras. Die Regierung Mitsotakis befindet sich in einer Sackgasse.

Ursprünglich veröffentlicht von BlogYY. Geschrieben von Yannis Youlountas. Übersetzt von Riot Turtle.

An jenem Tag, dem 17. November 1973, vor fast einem halben Jahrhundert, sagte die Menschenmenge es Reicht!, zur Junta der Obersten und ihrer Gewalt, ihren Folterungen, ihren Morden. Die Menschen versammelten sich mehrere Tage lang um die Polytechnische Universität von Athen, im Stadtteil Exarcheia, der Aufstand wurde schließlich durch ein Blutbad niedergeschlagen, unter einer noch brutaleren Repression. Doch das Regime wurde schließlich besiegt.

Der Geruch dieser Zeit zieht in diesen Tagen durch die Straßen der griechischen Großstädte, wie mein alter Freund Lefteris, ein Veteran des Aufstandes gegen die Obersten, bezeugt:

„So fing es an, die Leute konnten die Repression nicht mehr ertragen, sie wollten das Regime und seine Polizei nicht. Es wurde ganz stark, in nur wenigen Tagen. Wir haben große Momente erlebt. Aber die Macht hat schnell die Oberhand gewonnen mit ihrer exzessiven Gewalt, verbunden mit einer grotesken Propaganda. Bei allem Respekt, ich fühle mich ein wenig, als würde ich diese Momente noch einmal erleben.“

Heute sprechen die Medien der Machthaber:innen, die alle zu den Freund:innen von Mitsotakis gehören, nur über den Polizisten, der gestern Abend in Nea Smyrni, in den südlichen Vororten von Athen, schwer verletzt wurde, und über die Verhaftungen von etwa 20 Anarchist:innen und anderen Revolutionär:innen, die Hälfte von ihnen Minderjährige. Sie sagen nichts über die Dutzenden von Verletzten unter den Demonstrant:innen (noch keine Toten, aber angesichts der Situation wird es nicht mehr lange dauern), über die verrückte Zensur in Griechenland (Fernsehen, soziale Netzwerke usw.), über die häufigen Drohungen von Polizist:innen, die ihre Waffen auf die Demonstrant:innen richten (siehe Bild), über die Aufrufe zum Foltern und Töten unter den Polizist:innen (wie der Chef der Drasi-Truppe Nr. 36, der gestern gefilmt wurde, als er seine Untergebenen aufforderte, Demonstrant:innen zu töten, falls nötig).

Ein weiterer gemeinsamer Punkt: Nachts in den Straßen der Hauptstadt fährt die Polizei herum und dringt in Gebäude ein, klopft an Türen, sucht nach Menschen, versucht einzuschüchtern, schreit und zerstört (viele Videos sind viral gegangen). Ein Hauch von Diktatur, in Europa, im Jahr 2021.

Der Hass wächst von allen Seiten. Heute Nacht ist ein Polizist:in angegriffen worden, diesmal in Patras, einen Tag nachdem andere Polizist:innen in der Hauptstadt verletzt wurden, einer von ihnen schwer. Und es passiert wieder: Die Medien reden nur darüber und überhaupt nicht über das, was vor sich geht.

Inzwischen befindet sich Dimitris Koufontinas im allgemeinen Krankenhaus von Lamia in seinem 61. Tag des Hungerstreiks im Allgemeinen Krankenhaus von Lamia. Katerina Douzepi, eine seiner beiden Leibärzte, konnte ihn endlich besuchen und teilte uns mit, dass der Gefangene entschlossen ist, trotz des Scheiterns verschiedener Berufungen weiterzumachen. Sehr geschwächt, sagte Dimitris Koufontinas ihr:
„Ich setze meinen Hungerstreik fort, bis der Gerechtigkeit Genüge getan wurde.“

Während die Ärzt:innen sich Sorgen um seine Erschöpfung machen, lehnte der Staatsrat heute eine Überprüfung seiner Verlegung in das Hochsicherheitsgefängnis von Domokos ab (einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung, um die Entscheidung über seine Verlegung einzufrieren). Es wird immer deutlicher, dass es sich bei dieser Entscheidung um eine rein politische Entscheidung handelt, die auf höchster Ebene getroffen wurde, und um nichts anderes. Die Regierung drängt den Gefangenen bis an seine Grenzen und beraubt ihn der Möglichkeit zurückzukehren, um seinen Sohn zu sehen, während er seit 19 Jahren im Gefängnis sitzt, nachdem er sich der Polizei gestellt hat.

Ironischerweise behauptet der Kassationsgerichtshof trotz der Situation des Gefangenen und der Staatsaffäre, zu der diese Angelegenheit geworden ist, dass er nicht in der Lage sein wird, seinen Antrag vor dem 2. April, also in drei Wochen, zu prüfen! Die Staatsgewalt, auch wenn sie getrennt ist, ist immer noch die Staatsgewalt.

Griechenland zeigt einmal mehr, was in Europa vorbereitet wird: ein immer autoritäreres Regime, mit einer eifrigen Polizei und Kontrollen überall, einschließlich unserer Privatsphäre. Wenn das nicht die Gesellschaft ist, die du haben möchtest, dann ist immer noch Zeit zu handeln. Beeilt euch.

Yannis Youlountas


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