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Osterholz: (Wuppertal / Haan), Bericht vom Waldspaziergang und aktuelle Entwicklung

Wuppertal. Haan. Für den Erhalt des Osterholzes und das Fortbestehen der Waldbesetzung trafen sich am 8. November erneut an die fünfzig Menschen zum Waldspaziergang. Obwohl die Zahlen der Teilnehmer*innen in letzter Zeit stagnieren, ist positiv zu erwähnen, dass erneut einige zum ersten Mal dabei waren, um sich über die aktuelle Entwicklung zu informieren und auch nicht alle aus der unmittelbaren Umgebung kamen.

Eingereichter Beitrag.

Es folgt eine kurze Zusammenfassung sowie Infos zum aktuellen Stand:

Laut Bürgerinitiative hat die Firma Oetelshofen inoffiziell geäußert, dass dieses Jahr nicht mehr gerodet werden soll.  Sollte das stimmen, sind trotzdem Vorbereitungsmaßnahmen für die geplante Rodung jederzeit möglich. Auch sie können nicht zu behebende Schäden an der Natur verursachen. Weiterhin besteht akute Räumungsgefahr für die Waldbesetzung. Das heißt auch, dass der ausgesprochene „Code“ Orange nicht aufgehoben werden kann. Deshalb wird auch die seit mehreren Wochen an Wochentagen (Mo-Fr), von 6-12 Uhr eingerichtete Mahnwache, fortgesetzt.

Angesprochen wurde die Ablehnung der Klage von Anwohner*innen durch das Verwaltungsgericht Düsseldorf, gegen die Berufung in der höheren Instanz eingelegt wurde. Die Begründung, dass „Belange der Allgemeinheit, wie die Bedeutung eines Waldes für die Umwelt “ kein Klagegrund sein können, stehe dafür, dass das Interesse an einer lebenswerten Umwelt den Profitinteressen von Konzernen untergeordnet wird.

Erinnert wurde auch an den hochsignifikanten Anstieg der Jahrestemperaturen in den letzten Jahrzehnten in Wuppertal. (Quelle: https://ris.wuppertal.de/vo0050.php?__kvonr=26005) Nicht nur die monetären Kosten, werden immens sein, wenn Klimaziele nicht erreicht
werden. Eine Abholzung eines Waldes widerspricht diesen Plänen eindeutig.

Von der Kundgebung vor dem Kreishaus Mettmann am 3. November wurde berichtet, dass nur sehr wenige teilgenommen haben. Es kam zu
Verzögerungen durch sinnlose Auflagen, die unpassend für so eine kleine Gruppen von Demonstrierenden waren. Die Verantwortlichen fühlten sich
nicht zuständig, verwiesen auf andere Schuldige und unterstrichen ihren bisher geleisteten Einsatz. Nichts Neues von Behördenseite also.

Erwähnt wurden auch der Streit um eine Meinungsäußerung eines Politikers der Grünen, dem Umweltschutzbeauftragten der Stadt Wuppertal. Dieser
hatte in einem Gespräch mit einem Radiosender kundgetan, dass eine Rodung des Waldes zwar legal wäre, aber nicht legitim. Aufgrund dieser Worte, fordert ein Wuppertaler Stadtbezirksverband der CDU seinen Rücktritt von all seinen Ämtern. Auch die FDP äußert in diesem Zusammenhang ihre tiefe Empörung und fordert die Beendigung jeglicher Proteste. Von diesen Parteien ist keine andere Haltung zu erwarten. Sie ordnen alles den Profitinteressen unter und sprechen den Protesten jegliche Berechtigung ab. Sie betreiben damit eine Eskalation des Konfliktes.

Seitens der Bürger*inneninitiative wurde auch darauf hingewiesen, dass bis auf eine Ausnahme (* 1), auch von den anderen Parteien sowie
Umweltschutzverbänden wenig bis nichts für den Erhalt getan wird. Bei wichtigen Sitzungen und beim Protest glänzen sie durch Abwesenheit.

Die Mahnwache hat die Erfahrung gemacht, dass interessierte Passant*innen durchweg ihr Bedauern äußern, dass der Wald nicht erhalten werden soll. (*2) Das schafft Motivation, die Mahnwache auf längere Dauer zu besetzen. Die Polizei geht einen konfrontativen Kurs. In der letzten Woche hat sie bei ihrem Besuch gefordert, dass eine Barrikade abgeräumt wird, weil die Einhaltung des Rettungsweges gewährleistet sein müsse. Würde sich dieser Zustand nicht ändern, wäre die Mahnwache nicht mehr zugelassen. (*3) Es würde mit Sicherheit nicht deeskalieren wirken, wenn die Mahnwache durch polizeiliche Anordnung verhindert würde.

Im Wald ist es in der letzten Woche erneut zu polizeilichen Maßnahmen gekommen. Es wurde berichtet, dass eine Person, die sich alleine auf dem
Waldweg befand, durch die Polizei kontrolliert und mitgenommen werden sollte. Davon abgelassen wurde erst, als mehrere Personen sich einmischten. Auch wurden, die bisher noch nicht besonders stark ausgebauten Barrikaden, inspiriert.

Abermals richtete die Bürgerinitiative der Waldbesetzung ihren Dank aus. Erneut wurde Geld gesammelt und der Wunsch geäußert, die Aktivist*innen
u.a. mit warmen Wintersachen zu unterstützen.

Wie gewohnt, begleitete ein Mitglied der bereits seit 1977 existierenden Polit-Satire Combo Fortschrott, mit musikalischen Beiträgen den Waldspaziergang. Die „Osterholz bleibt Hymne!“, angelehnt an den Rauch-Haus-Song von TSS, erfreut sich weiterhin einiger Beliebtheit. Eine Schriftstellerin trug ein Gedicht vor.

Zu dem am Ende von einer Besucherin spontan vorgetragenen Gebet, das übergreifend alle mit einbezog, ist anzumerken, dass es mit Sicherheit
auch Atheist*innen gegeben hat, die sich nicht einer göttlichen Macht unterordnen wollen und die auch nicht die Schöpfung Gottes im Osterholz erkennen und in seinem Namen verteidigen wollen.

Anmerkungen:
* 1 hier keine Nennung, die als Parteiwerbung fehlgedeutet werden könnte
* 2 das heißt natürlich nicht, dass alle mit dem Protest einverstanden sind. Wofür z.B. auch das, auf einer Barrikade befestigte, inzwischen mutwillig in der Mitte durchtrennte, Schild mit der Aufschrift „Wald statt Kies“ stehen dürfte, das eine Barrikade ziert.
* 3 zumindest am 8. November konnte die Mahnwache ungestört stattfinden.

Wie geht es weiter?
Weiterhin drohen Vorbereitungsmaßnahmen für die Rodung. Die ständig besetzte Waldbesetzung ist akut von Räumung bedroht, evtl. wird auch die
Mahnwache durch polizeiliche Maßnahmen  in ihrem Ablauf gestört, wenn nicht sogar verhindert.

Termine:
Mahnwache: Mo-Fr. von 6-12 Uhr am Waldweg im Osterholzer Wald

16. November 15:30 Uhr: Kundgebung anlässlich der Ratssitzung. Ort: Historische Stadthalle, Johannisberg 40 (Wuppertal)

5. Dezember: Kommt zahlreich zum Waldspaziergang! 14 Uhr Wanderparkplatz
Hermgesberg, 42781 Haan
Anfahrt:
https://www.openstreetmap.org/?mlat=51.23734&mlon=7.03227#map=17/51.23735/7.03227

Für weitere Informationen:
Blog der Besetzung:   https://jederbaumzaehlt.noblogs.org/
Seite der Bürger*inneninitiative: https://osterholzbleibt.org/

Nicht nur der Amazonas


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