Fast zwei Wochen lang – vom 24. Februar bis zum 10. März – lebten ich, dreißig andere Personen und sechs Katzen im Student*innenwohnheim der Kyiv-Mohyla-Akademie in der Gemeinde Vorzel‘, einem Ortsteil des benachbarten Irpin‘, also einem Vorort der Kyiver Vorstadt. Die meisten Bewohner*innen des Gebäudes zogen in den ersten Tagen des russisch-ukrainischen Krieges aus; ich gehörte zu denen, die glaubten, dass das ruhige, verschlafene Vorzel‘, das einst für seine Kuranlagen berühmt war, ein sicherer Hafen sein würde. Ich wurde eines Besseren belehrt, und zwar auf ziemlich spektakuläre Weise. Schon bald wurden das nahe gelegene Bucha und Hostomel‚ zum Schauplatz schwerer Kämpfe. Der einzige Weg nach Kyiv führte durch sie hindurch. Etwa am vierten Tag wurde uns klar, dass wir abgeschnitten waren. Im Laufe der Woche fanden wir uns unter Besatzung wieder.
Sechs Katzen, dreißig Menschen, vier Mörsergranaten. Zwei Wochen im besetzten Vorort von Kyiv [Ukraine] weiterlesen
