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Ich bin ein ukrainischer Sozialist*in. Hier ist der Grund, warum ich Widerstand gegen die russische Invasion leiste [Ukraine]

Ein Beitrag über Solidarität und Widerstand in der Ukraine von Taras Bilous. Da wir uns selbst nicht als Sozialist*innen betrachten, teilen wir logischerweise nicht alle Ansichten in diesem Beitrag, aber wir denken trotzdem, dass es wichtig ist, eine weitere Stimme aus der Ukraine zu Wort kommen zu lassen.

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10 furchtbare linke Argumente gegen den Widerstand in der Ukraine

Diskussionen mit einigen der (meist) westlichen Linken können äußerst schwierig sein. Einige ihrer Positionen sind entmutigend zu hören. Andere erscheinen heuchlerisch oder zynisch. Es gibt meiner Meinung nach bestimmte Positionen, die weit von linken Prinzipien entfernt sind. Diese Punkte werden nicht immer direkt ausgesprochen, deshalb möchte ich kurz auf einige versteckte Botschaften eingehen, die den von vielen Linken vertretenen Positionen zugrunde liegen.

Disclaimer #1: Ich möchte betonen, dass es auch viele Linke gibt, die eine solidarische Haltung einnehmen und mit diesen Behauptungen nichts zu tun haben wollen. Ich schreibe hier jedoch nicht über sie.

Disclaimer #2: Es ist wirklich wichtig, wie einige dieser Botschaften geäußert werden, da dies die Grenze zwischen einerseits Punkten der Besorgnis und der Diskussion und andererseits – dem zentralen Pfeiler der eigenen vorher festgelegten und bedingungslosen politischen Haltung gegen den Widerstand in der Ukraine – zieht. In diesem Text geht es um den zweiten Fall. Ich werde hier nicht auf die Feinheiten eingehen. Es handelt sich um eine polemische Stellungnahme, nicht um einen analytischen Artikel.

Disclaimer #3: Ich bin hier frustriert, wütend und daher oft sarkastisch. Und ja, ich habe das Recht, dies zu sein. Und ja, ich benutze diesen Artikel, um meine Frustration und Wut zu kanalisieren.

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Ohne Obdach: Wohnungspolitik in Kriegszeiten [Ukraine]

„Der Makler sagte, dass es heute mehr als 300 Anfragen gab, aber nur 5 Wohnungen gefunden wurden.“

„Wir haben in der ganzen Region Lviv gesucht, in Lviv ist nichts herausgekommen, aber wir haben eine Wohnung in Lutsk gefunden, also sind wir auf dem Weg dorthin.“

„Ich werde wahrscheinlich nach Charkiw zurückkehren müssen.“

Ähnliche Worte höre ich in Lviv jeden Tag. Ich denke, die Situation ist an vielen Orten in der Westukraine und im Osten von Polen die gleiche, und solche Worte sind in den Gebieten zu hören, in die die Kriegsflüchtlinge fliehen. Im Laufe des letzten Monats haben Tausende von Menschen in Lviv eine Unterkunft gefunden, und niemand weiß, wie vielen dies nicht gelungen ist.

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Sechs Katzen, dreißig Menschen, vier Mörsergranaten. Zwei Wochen im besetzten Vorort von Kyiv [Ukraine]

Fast zwei Wochen lang – vom 24. Februar bis zum 10. März – lebten ich, dreißig andere Personen und sechs Katzen im Student*innenwohnheim der Kyiv-Mohyla-Akademie in der Gemeinde Vorzel‘, einem Ortsteil des benachbarten Irpin‘, also einem Vorort der Kyiver Vorstadt. Die meisten Bewohner*innen des Gebäudes zogen in den ersten Tagen des russisch-ukrainischen Krieges aus; ich gehörte zu denen, die glaubten, dass das ruhige, verschlafene Vorzel‘, das einst für seine Kuranlagen berühmt war, ein sicherer Hafen sein würde. Ich wurde eines Besseren belehrt, und zwar auf ziemlich spektakuläre Weise. Schon bald wurden das nahe gelegene Bucha und Hostomel‚ zum Schauplatz schwerer Kämpfe. Der einzige Weg nach Kyiv führte durch sie hindurch. Etwa am vierten Tag wurde uns klar, dass wir abgeschnitten waren. Im Laufe der Woche fanden wir uns unter Besatzung wieder.

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„Die Linke im Westen muss umdenken“ – Anmerkungen zum Krieg aus Kiew – ein Gespräch mit Taras Bilous

Wenn Linke weiter der Nato die Schuld für die russische Invasion geben, zeigen sie nur, dass sie die veränderte Situation nicht begriffen haben«, sagt Taras Bilous. Der Redakteur der linken ukrainischen Zeitschrift Commons hat kurz nach dem Beginn des Krieges einen Brief an die Linke im Westen verfasst. Darin kritisierte er, dass die Menschen in den osteuropäischen Staaten und ihre politischen Vorstellungen, aber auch der aggressive Imperialismus Putins für die auf die Nato fixierte Linke im Westen nicht zu existieren scheinen. Taras Bilous ist in Kiew geblieben und hat sich einer anarchistischen Gruppe angeschlossen, die Hilfstätigkeiten organisiert und eine eigene Verteidigungseinheit aufbaut. Im Interview berichtet er, wie sich seine politische Perspektive durch den Krieg verändert hat, welche möglichen Entwicklungen er sieht, und wo die Linke im Westen umdenken muss. Das Gespräch fand am 8. März statt. Übersetzt hat Oksana Dutchak, Soziologin mit Schwerpunkt auf Arbeits- und Geschlechterverhältnissen und ebenfalls Redakteurin bei Commons. Sie hat Kiew verlassen und hält sich nun im Westen der Ukraine auf.

Bild oben: Kiew im Juli 2021. Bild: Lisa Bukreyeva

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Wir brauchen Solidarität auf der Ebene der Menschen, und nicht nur diese vorgetäuschte Solidarität auf der Ebene der Regierungen [Ukraine]

Als Anarchist*innen teilen wir nicht alle Ansichten, die in diesem Interview geäußert werden. Aber wir denken, dass dieses Interview wichtige Einblicke in linke Gedankengänge in der Ukraine während des Krieges zeigt.

Shaun Matsheza und Nick Buxton von TNI sprachen mit zwei Aktivist*innen aus der Redaktion der linken Zeitschrift Commons, die die Wirtschaft, Politik, Geschichte und Kultur der Ukraine untersucht und analysiert. Denys Gorbach ist Sozialforscher*in und promoviert derzeit in Frankreich über die Politik der ukrainischen Arbeiterinnenklasse, Denis Pilash ist Politikwissenschaftler*in und Aktivist*in in der soziale Bewegung Sotsialnyi Rukh.

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Notizen aus Lviv in Zeiten des Krieges [Ukraine]

Ich schreibe diesen Text in der Nacht vom 7. zum 8. März in Lviv. Dies ist das vierte Jahr, in dem ich in Lviv lebe, und ich habe den Krieg hier erlebt. Es scheint, dass mein ganzes Leben seit dem morgendlichen Anruf meiner Mutter vorbeigezogen ist. Sie sagte mir, dass „wir bombardiert werden“. Mein Leben und das Leben aller um mich herum ist zusammengebrochen und wird nicht mehr dasselbe sein wie vorher. Aber wir werden irgendwie leben. Ich möchte mit den Leser*innen von Commons meine Beobachtungen darüber teilen, wie ein neues Leben in der Stadt wo ich lebe entsteht. Ich weiß, dass der nächste Zusammenbruch kommen kann, noch bevor ich diesen Text beendet habe, deshalb schreibe ich recht hastig.

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Es reicht nicht, die USA zu beschimpfen. An die westliche Linke, über Ihre und unsere Fehler

Wir hier in der postsowjetischen Welt haben viel von euch gelernt. Mit „wir“ meine ich atomisierte oder lose organisierte kommunistische, demokratisch-sozialistische, linksanarchistische, feministische Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen aus Kiew, Lviv (Lemberg), Minsk, Moskau, Sankt Petersburg und anderen Orten, die in den Grauen von Krieg und Polizeigewalt versinken. Nachdem unsere eigene marxistische Tradition verödet, degradiert und marginalisiert worden war, lasen wir Kommentare zu Das Kapital auf Englisch. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verließen wir uns auf eure Analyse der amerikanischen Hegemonie, der neoliberalen Wende bei den Formen der Kapitalakkumulation und des westlichen Neoimperialismus. Wir wurden auch von den westlichen sozialen Bewegungen ermutigt, von der Globalisierungsbewegung bis zu den Antikriegsprotesten, von Occupy bis zu BLM.

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