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Bericht: Eine Nacht der Proteste in Bucaramanga, Kolumbien – Transparente, Helme und Masken, Plakate, Tücher und Abzeichen, Widerstand!

Bucaramanga. Kolumbien. 23. Mai. 2021. Der kollektive Aufschrei von Tausenden von Menschen, die seit 23 Tagen die Straßen der wichtigsten Städte und verschiedenen Gemeinden Kolumbiens füllen, hallt von den Wänden der Häuser, den Gebäuden, dem Asphalt der Straßen und den staatlichen Einrichtungen wider.

Ursprünglich veröffentlicht von Colombia Informa. Übersetzt von  Riot Turtle.

In der Stadt der Parks, der Stadt, die sie „Bonita“ nennen, wo die Band, die die Demonstrationen begleitet, Arengas und Cumbias spielt, erhellten am 20. Mai in Bucaramanga Feuer und Fackeln den Weg und die Lieder derer, die ihre Nonkonformität mit der aktuellen Regierung zum Ausdruck bringen. Sie alle fordern mit würdevoller Wut ein Ende des Mordens an der Bevölkerung, Garantien für ein menschenwürdiges Leben, Bildung und Gesundheit anstelle von Waffen.

An diesem Abend, als die Sonne hinter den Bergen untergeht, werden die Fackeln auf Bolivars Pferd entzündet. Die Demonstration bewegt sich entlang der Carrera 27 in Richtung des Mesón de los Bucaros. Die Menge bewegt ihre Füße inmitten von Redebeiträgen und Sprechchören.

Zwischen dem Park, dem Mesón und der Klinik beginnt eine Party. Die Menschen singen und tanzen mit freudiger Rebellion, in den Gesichtern der Anwesenden spiegelt sich die Hoffnung auf ein besseres Land, in das wir alle mit der Mischung unserer Vielfalt passen.

Es gibt eine Menge an Widerstandsfähigkeit, unsere Füße sind nicht müde und die Demonstration geht weiter in Richtung der Puerta del Sol. Die Stimmen werden immer lauter, die Band hört nicht auf zu spielen und die Leute tanzen weiter und skandieren WIDERSTAND!

Es ist fast 21 Uhr, die dunkle Nacht beginnt und trotz der Gräueltaten, die man in allen Städten nach dieser Stunde erlebt hat, sind die Menschen immer noch entschlossen und kämpfen. Widerstand!

Es kommen Meldungen rein. Schwarz gekleidete gepanzerte Trupps planen, die Demonstration anzugreifen. Einige bereiten sich darauf vor, mit Metall- und Holzschilden Widerstand zu leisten, um Granaten und Schusswaffen standzuhalten. Widerstand!

Es gibt ein paar Minuten der Unruhe und dann fallen die Schüsse. Die ersten Tränengasgranaten fliegen durch die Luft. Die Menschen ziehen sich zurück und die ESMAD (kolumbianische Bereitschaftspolizei) greift mit Gewalt und Brutalität an, ohne sich um irgendetwas zu scheren. Sie schossen sogar auf die medizinische Brigade und das Menschenrechtsteam.

Die Menschen zerstreuen sich in Panik durch verschiedene Straßen und versuchen, sich neu zu gruppieren, um keine leichten Ziele für die Polizei zu sein. Sie überlegen schnell, wohin sie gehen sollen, um in Sicherheit zu gelangen und beschließen, zu dem Punkt zurückzukehren, an dem die Demo begann. In schnellem Tempo ziehen sie weiter, die Band spielt, um die Angst zu verringern, aber in der Ferne sehen sie die roten und blauen Lichter der Polizeimotorräder. Sie folgen uns dicht auf den Fersen.

Widerstand!

Berichte über Verletzungen und Verhaftungen treffen weiterhin ein. Die medizinische Brigade hilft denen, die es auf dem Weg brauchen, und einige versuchen, sich im hinteren Teil der Demonstration zu verbarrikadieren. Es ist nach 22 Uhr und alle wollen wohlbehalten nach Hause kommen.

Als wir in Caballo de Bolivar ankommen, herrscht eine augenscheinliche Ruhe. Die Menschen zerstreuen sich und kehren zu ihren Häusern zurück. Am Ende meldet das Human Rights Bulletin zehn illegale Festnahmen, die Zahl der Verletzten ist unbekannt.

Es ist fast Mitternacht. Als es schließlich scheint, dass ein weiterer Tag des landesweiten Streiks vorbei ist, beginnen ein paar Videos in den sozialen Netzwerken zu rotieren. Sie zeigen Szenen des Grauens, die uns an die Gewalt erinnern, die wir seit Jahrzehnten erleben. Männer in Zivil entführen Demonstrant*innen, die zu ihren Häusern zurückkehren, und bringen sie in Privatautos weg. Der Schock in den Gesichtern der Entführten, die Angst und Verwirrung derer, die sie beobachten und schreien, damit sie nicht mitgenommen werden, die Angst und Hilflosigkeit derer, die das Geschehen nun durch einen Bildschirm sehen. Die grausame Nacht ist noch nicht zu Ende.


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