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#Moria 2.0: Die Kälte ist angekommen

Lesbos. Griechenland. Erklärung von No Border Kitchen zur Lage im neuen Lager Moria 2.0.

Ursprünglich veröffentlicht von No Border Kitchen Lesvos Facebookseite (facebook.com/NBKLesvos/photos/pb.689281511211641.-2207520000../1894436320696148/). Übersetzt von Enough 14.

Die Kälte ist gekommen. Der Winter fängt an, sich auf der Insel niederzulassen, und mit dem neuen Lager hat er das Potenzial, zu einem der schlimmsten zu werden. Es wurden neue Lockdown Maßnahmen angekündigt, und das Lager wird ein geschlossenes Lager werden. Dabei ist der Quarantänebereich für Covid-19 ein Witz, und es gibt keinen 24-stündigen medizinischen Dienst im Lager. Es ist eine Wiederholung des Aprils, in dem wir viele Worte über die grausame Situation geschrieben haben, in einem Lager eine bekanntermaßen unmenschliche Katastrophe zu verursachen, ein Lager das sich nicht für die von den Regierungen weltweit geforderten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eignete. Aber jetzt ist November, und das Lager ist verschwunden. Das neue wurde mitten in der Pandemie gebaut, und es wäre daher vernünftig gewesen, zu erwarten, dass dieser Ort irgendwie in diesem Sinne gebaut worden wäre. Sie müssen wissen, dass Menschen unter solchen Bedingungen einem höheren Risiko ausgesetzt sind, an Covid-19 zu sterben. Aber, wie viele andere Dinge auch, ist ihnen das egal.

Die Kombination aus starkem Wind, Kälte und Regen wird für die Bewohner von Moria 2.0 verheerend sein. Aber es scheint nichts dagegen unternommen zu werden. Es scheint, dass die Menschen von den Politiker:innen, Bullen und der Gesellschaft, die sie überhaupt erst dazu gezwungen haben, dort zu bleiben, auf sich allein gestellt sein werden. Letzte Woche gab es auch den ersten Brand. Niemand wurde verletzt, und das Feuer wurde schnell gelöscht, aber es wird nicht das letzte sein. Die fehlenden Wintervorbereitungen der zuständigen Behörden werden dazu führen, dass die Menschen Wege finden müssen, sich zu wärmen, oft durch Feuermachen mit dem, was in der Nähe ist, was ein größeres Risiko für weitere Brände darstellt. 750 Menschen dürfen das Lager verlassen, so dass die Menschen stundenlang und mit Ausgangssperre ab 20:00 Uhr, manchmal nur für einige Stunden, das Lager verlassen dürfen. Und es gibt immer noch keine Duschen, die Menschen waschen sich im Meer. Stellt euch das im Winter vor.

Die erneute Abkehr der globalen Medien von Lesvos, Kos, Samos und den übrigen Lagern in der Ägäis oder auf dem Festland beweist, dass das Interesse an diesem Thema sensationell ist. Wenn es keine Sensation gibt, gibt es auch keine dringenden Nachrichten, über die man sprechen könnte. Der kommende Winter für die Menschen in den Lagern unter diesen entsetzlichen Bedingungen ist kein Thema, während es wiederum um vermeidbares Leid und Tod geht.

Die Schließung des Lagers für die Presse ist ein strategischer Schritt seitens der Behörden. Denn wie können die Mainstream-Medien über die Zustände berichten, ohne Bilder von fPeiole of Colour hinter Zäunen oder nicht-weißen Kindern, die im Schlamm des überfluteten Lagers spielen? Die Vorstellung, dass eine Situation wie die hier und an anderen Orten „Nachrichtenwert“ haben muss, um berichten zu können, spielt den Behörden direkt in die Hände. Sie wissen, dass sie mit vielen, vielen verschiedenen kleineren Dingen davonkommen können, solange sie langsam umgesetzt werden und es keine großen Unruhen gibt. Wer weiß, was sie jetzt versuchen werden, denn die Welt schaut wieder einmal nicht hin und sieht nicht das alltägliche Gerangel um das Überleben der Menschen in den Händen des griechischen und europäischen Asylsystems.

Die US-Wahl zeigt, dass wir uns darauf verlassen, dass „anständige Menschen“ ( die Linke) zum richtigen Zeitpunkt (Wahltag) das „Richtige“ („Wählt links“) tun, um institutionellen Rassismus, Klassenkampf und Sexismus zu stoppen, nicht funktionieren wird. Sieg oder Niederlage, nach vier Jahren im Amt haben mehr Menschen für Trump gewählt. Die Wahl von Menschen und Parteien wie Trump, Orban, der PiS und anderen ist keine Anomalie, sie ist Teil der neuen Normalität. Ihre Ideen werden von großen Gruppen von Menschen unterstützt, die unabhängig davon, ob ihre Parteien in der Regierung sind oder nicht, existieren werden. Diese Menschen schaffen und erhalten eine Gesellschaft, die aktiv rassistischer und ausgrenzender wird, und dies ist einer der Gründe, warum Orte wie Moria 2.0 existieren und weiter existieren werden.

Machen wir Moria 2.0 und alle Orte wie Moria 2.0 zu einem beschämenden Teil unserer Geschichte, nicht zu einem Teil der Zukunft.

Werdet wütend. Organisiert euch.

No Border Kitchen Lesvos, 5. November, 2020.


Wir haben zwei Solidaritäts-T-Shirts (Bilder unten) für das Enough Info-Café entworfen. Ihr könnt die Enough Info-Café-Solidaritäts-T-Shirts hier bestellen: https://enoughisenough14.org/product/t-shirt-wir-werden-nicht-zur-normalitat-zuruckkehren-schwarz/ und https://enoughisenough14.org/product/t-shirt-wir-sind-ein-bild-aus-der-zukunft-schwarz/

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