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#Berlin: Wir brauchen Rache für die #Liebig34

Berlin. Connect urban struggels – Defend autonomous Zones! United we fight! Redebeitrag der Liebig34 auf der internationalen Demo vom 31.10.20.

Ursprünglich veröffentlicht von Indymedia DE.

Wir haben gekämpft. Seit Jahren haben wir für und um dieses Haus gekämpft.
Die Liebig34 war unser Leben, unser Zufluchtsort, eine gefährliche Insel der Utopie. Unser zu Hause.
Nun steht es leer, unser wunderschönes Haus, sieht nackt aus, sieht traurig aus.
Wir haben alles gegeben. Bis zur letzten Minute haben wir daran gearbeitet diese Räumung zu verhindern.
Draußen haben Leute so viel riskiert, um selbst in dieser hochmilitarisierten Zone Widerstand zu leisten und anzugreifen.
Ja, vieles hätte anders laufen können, vieles hätte besser organisiert sein können und dennoch, der Erfolg dieses Kampfes misst sich am Ende nicht an dieser Räumung!

Die Liebig war und ist ein Symbol für Anarchismus und Feminismus.
Sie ist ein Symbol für einen Feminismus, der auf die Hilfen des Staates scheißt und laut in seine gehässige Fresse schreit.
Wir sind queer und unversöhnlich und stehen für einen Feminismus, der es sich nicht im neoliberalen Hipsterberlin gemütlich macht und sich nicht auf Hochglanzmagazine abdrucken lässt.
Die Liebig ist ein Ort, wo Herrschaft in Frage gestellt wird, wo Geschlechterzwang aufgesprengt wird, wo Leute nicht nach ihrem Job, oder finanziellen Status beurteilt werden.
Sie ist ein Ort der praktischen Solidarität, wo Leute ein Zimmer fanden, wenn sie nicht wussten wo hin.
Wo sich unter die Arme gegriffen wird, wenns mal eng wurde.

Mit der Räumung der Liebig34 versucht der Repressionsapparat uns zu brechen und uns einzuschüchtern.
Ihr riesen Polizeiaufgebot sollte uns mal wieder das Gefühl geben, dass wir ein Problem sind.

Aber wir sind nicht das Problem!
Wir, die wir dafür kämpfen, selbstbestimmt und von unten unsere Leben und unsere Lebensorte zu gestalten.
Wir, die wir versuchen, abseits von sexistischer Gewalt und patriarchaler Gesamtscheisse unsern Lebensalltag kollektiv zu bestreiten! Selbst wenn sie schwere Geräte haben und uns mit Waffen stürmen.

Wir sind viele! Wir werden stärker sein.
Denn wir haben so vieles, was sie nicht haben und niemals wagen davon zu träumen.
Wir haben Utopien für die wir kämpfen. Freund*innen und Verbündete für die wir einstehen.
Wir haben Rückgrat und wir haben ein Herz.
Wir wissen wie es ist, aufeinander aufzupassen und gemeinsam zu kämpfen.
Wir haben kollektive Momente und Augenblicke gelebt, in denen wir den Duft der Freiheit gerochen haben.
Nein, sie werden uns nicht das nehmen, was uns antreibt.

Als Anarchist*innen, als Feminist*innen, als Queers und als Antifaschist*innen sind wir in Feindschaft mit diesem kapitalistischen Staat und seinen Repressionsorganen.
Deshalb fordern wir niemals Lösungen von oben, sondern Ansätze von unten!
Wir fordern tausende solcher Orte wie die Liebig34.
Orte, an denen wir fernab von Konsumzwang sein können, an denen wir an einer Gesellschaft schmieden, frei von Ausbeutung und Unterdrückung.

Die Stadt der Reichen greift um sich, kriecht in alle Ecken unserer Straßen. Aber in diesen Ecken lauert auch unser Widerstand, im Hinterhalt und unbemerkt, aber auch laut und gnadenlos. Zwischen den schicken Neubauten liegt eine Utopie, eingezwängt zwischen Beton. Aber sie ist noch da. Unter’m Asphalt liegt immer noch der Strand.
Wir sehen auch die Ohnmacht und das eklige Gefühl eine Niederlage erlitten zu haben. Aber es ist keine Niederlage auf lange Sicht. In dieser Stadt gibt es so viele Menschen, die keinen Bock auf diese Scheiße haben, die den Kapitalismus verfluchen, die mit ihrem ganzen Herz die Bullen hassen. In dieser Stadt spitzt sich die Lage zu und verschiedene Kämpfe, mit denen wir solidarisch sind, kommen zu einem Punkt, der in Konfrontation mit Staat und Patriarchat münden muss. Mieter*innenproteste, Migrantifa-organisierungen, gegenseitige Hilfen in Zeiten von Corona-restriktionen, weltweite feministische Proteste mit tausenden von FLINTA’s – wir sehen euch und stehen mit euch.
Wir sollten raus aus der Bubble, ins Gespräch kommen, unsere Wut verbinden, unsere Träume verschmelzen lassen.

Wir nehmen uns die Straßen, die wir selbstbestimmt gestalten wollen.
Wir nehmen uns die Kieze, die für uns mehr sind, als bloß schicke Cafés und Konsumorte.
Wir brauchen mehr Wut in unseren Bäuchen.
Wir brauchen Rache für die Liebig34.

Liebig34 lebt! Liebig34 kämpft!




Wir haben zwei Solidaritäts-T-Shirts (Bilder unten) für das Enough Info-Café entworfen. Ihr könnt die Enough Info-Café-Solidaritäts-T-Shirts hier bestellen: https://enoughisenough14.org/product/t-shirt-wir-werden-nicht-zur-normalitat-zuruckkehren-schwarz/ und https://enoughisenough14.org/product/t-shirt-wir-sind-ein-bild-aus-der-zukunft-schwarz/

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