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Abschiebung nach Afghanistan: Aufruf zu dezentralen Aktionen – Solidarität muss praktisch werden!

Berlin. Erst vor wenigen Tagen erhielten wir die Information, dass von Berlin-Schönefeld aus eine Massenabschiebung nach Afghanistan durchgeführt werden soll (Laut der englischen Version des Aufrufs am 7. April, Enough 14). Während der Lockdown im Namen des Gesundsheitsschutzes verlängert wird, hat die deutsche Regierung mehr als je zuvor abgeschoben. Seit November 2020 haben wir 75 Sammelabschiebungen gezählt und fast jeden Tag kommt eine neue dazu.

Ursprünglich veröffentlicht von Kontrapolis. Bild oben: Archivbild von einem Protest gegen Abschiebungen am Frankfurter Flughafen.

Wir rufen alle auf, gegen diese und alle Abschiebungen vorzugehen, denn sie sind eine klare Fortsetzung des faschistischen und kolonialen Grenzsystems, in dem wir leben.

Abschiebungen sind niemals isolierte Ereignisse oder eine Sache von Einzelpersonen! Seit Jahren demonstrieren wir und schreien „Wir haben Platz“, als ob Platzmangel das Problem wäre. Diese Massenabschiebung aus Berlin zeigt uns wieder mal, dass es sich nicht um ein materielles Problem handelt. Abschiebungen sind ein politischer und ideologischer Akt, Mechanismen des Kapitalismus und des Nationalismus, der nur durch die Aufrechterhaltung der kolonialen Grenzen funktionieren kann.

Während Deutschland Waffen exportiert, um die Bevölkerung in Mexiko, Jemen, Iran, Syrien und auch Afghanistan zu ermorden, wird sich selbst zugestanden, Menschen zurück in den Tod zu treiben. Jede einzelne Abschiebung ist eine klare Fortführung des rassistischen deutschen und europäischen Migrationssystems: ein System, das Migration als ein Privileg für weiße Europäer definiert. Es ist unsere Entscheidung, auf welcher Seite wir stehen, entweder die Situation zu ignorieren und die militaristische und koloniale Politik Deutschlands zu unterstützen oder auf die Straße zu gehen und antirassistische Solidarität und Autonomie aufzubauen.

Wir alle müssen unsere Solidarität zeigen und auf diese Situation aufmerksam zu machen.
Schreibt Texte, geht plakatieren, demonstrieren, sprühen und zerstören. Jeder Beitrag ist ein kleiner Funken, der zum Stopp dieser Massenabschiebung führen wird!  Werdet aktiv und seid solidarisch!

SOLIDARITÄT MUSS PRAKTISCH WERDEN.
MIGRATION IST KEIN VEBRECHEN!
KEINE ABSCHIEBUNGEN – NICHT IN EINER PANDEMIE, NIEMALS!

Zum Hintergrund über Afghanistan
Seit 2001 führt Deutschland Krieg in Afghanistan und ist für den Tod vieler Zivilisten verantwortlich. Beispielhaft hierfür steht der Angriff auf einen Tanklastwagen, der durch den deutschen Militär Georg Klein angeordnet wurde und bei dem über hundert Zivilisten umkamen. Doch es reicht Deutschland nicht, dass sich seit Jahrzenten im Bürgerkrieg befindende Land durch seine Militärpresenz destabilisert zu haben. Nicht mal in Afghanistan, in dem der deutsche Staat unmittelbar die Fluchtgründe mitverursacht, stellt sich der Staat seiner Verantwortung für das Leid und nimmt Geflüchtete aus Afghanistan auf. Vielmehr werden Menschen aus Afghanistan in mehr als der Hälfte aller Fälle Asyl verwehrt, die Migration illegalisiert und kriminalisiert.

Seit Dezember 2016 werden Menschen in das Kriegsland Afghanistan abgeschoben, fast monatlich gehen Abschiebecharter von Deutschland nach Kabul. Die Abschiebungen waren wegen Corona nur zwischen März und November 2020 ausgesetzt. Nun soll am Mittwoch, den 7.4.2021, die mittlerweile 38. Sammelabschiebung nach Afghanistan stattfinden.

Durch die Corona-Pandemie hat sich die Situation in Afghanistan noch weiter verschärft. Neben dem seit mehr als 40 Jahre andauernden Bürgerkrieg und dem Terror durch den sog. Islamischen Staat und die Taliban hat sich der Anteil der in Armut lebenden Menschen drastisch auf bis zu 90% erhöht. Im Januar hat die Bundesregierung Afghanistan als Covid-19-Hochrisikogebiet eingestuft. Der Zugang zu Gesundheitsversorgung ist für die Mehrheit der Bevölkerung nahezu unmöglich.1

[1] https://www.fluechtlingsrat-bayern.de/abschiebungen-in-das-kriegs-und-kr…


1 Gedanke zu „Abschiebung nach Afghanistan: Aufruf zu dezentralen Aktionen – Solidarität muss praktisch werden!

  1. […] Abschiebung nach Afghanistan: Aufruf zu dezentralen Aktionen – Solidarität muss praktisch werden! […]

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