Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Das ist Klassenkrieg: Spanische Bereitschaftspolizei dringt wie eine Armee in die Stadt Cádiz ein [Video]

Cadiz. Spanien. Klassenkrieg: Nicht nur ein Wort, das für den politischen und wirtschaftlichen Krieg der 1 % und ihrer Armee aus Politiker*innen, Bürokrat*innen und Polizeikräften gegen den Rest der sozioökonomischen Klassen steht, sondern eine tatsächliche Realität, wie das folgende Video aus der südspanischen Stadt Cádiz zeigt, wo am Montag, den 22. November 2021, ein Panzer in dem Arbeiterviertel Río de San Pedro de Puerto Real eingesetzt wurde.

Ursprünglich veröffentlicht von Perseus999. Übersetz von Riot Turtle.

Seit acht Tagen, seit Dienstag, dem 16. November 2021, befinden sich Tausende von Metallarbeiter*innen in der südspanischen Provinz in einem unbefristeten Streik und fordern Lohnerhöhungen, die der steigenden Inflationsrate des Landes entsprechen. Während die Inflation hochschnellt, bleiben ihre Löhne gleich. Aber es sind nicht nur die Metallarbeiter*innen. In der gesamten Provinz Cádiz wurde gestern, am 23. November, in Solidarität mit den Metallarbeiter*innen gestreikt, und auch die Student*innengewerkschaft der Stadt schloss sich dem Streik an. Der Streik findet breite Unterstützung in der Region, die mit 23 % Arbeitslosigkeit und über 40 % Jugendarbeitslosigkeit die höchste Arbeitslosenquote in Spanien aufweist. Die Gewerkschaften berichten, dass 98 % der Arbeitnehmer*innen streiken, während die Wut in der Region wächst.

Und das nicht nur in Cádiz. Die Straßenunruhen breiten sich in ganz Spanien aus. Lkw-Fahrer*innen haben wegen der steigenden Dieselpreise zu einem dreitägigen Streik über Weihnachten aufgerufen, während die Beschäftigten in der Automobilbranche in Madrid wegen der durch den Mangel an Autochips verursachten Werksschließungen zu Protesten aufgerufen haben. Außerdem haben Verbraucher*innenverbände bereits mehrere Demonstrationen gegen steigende Stromrechnungen organisiert, und sogar Friseur*innen haben Sit-Ins organisiert, um niedrigere Mehrwertsteuersätze zu fordern. Was sie alle miteinander verbindet, sind die steigenden Lebenshaltungskosten.

Gleichzeitig regt sich das ländliche Spanien erneut über die niedrigen Preise auf, die die Zwischenhändler*innen für ihre Produkte zahlen, sowie über die steigenden Produktionskosten, so dass auch Landwirte Proteste planen. Laut El Pais sind im letzten Jahr die Preise für Strom um 270 %, für Traktordiesel um 73 %, für Dünger um 48 %, für Wasser um 33 % und für Saatgut um 20 % gestiegen.

In Cádiz, einer Stadt mit 116.000 Einwohnern an der Küste nahe der Straße von Gibraltar, hat sich der Kampf der Metallarbeite*rinnen schnell zu einer Rebellion gegen die Gewerkschaftsbürokrat*innen und zu einer Auseinandersetzung mit der spanischen Regierungskoalition, bestehend aus der Sozialistischen Partei Spaniens (PSOE) und der Partei Podemos, entwickelt. Nach Angaben von wsws.org riefen die Gewerkschaften zunächst zu eintägigen Protesten auf, um Dampf abzulassen. Bei einem Aufruf am 10. November versammelten sich 4.000 Demonstranten in Cádiz und 2.000 in Algeciras. Nachdem sich CCOO und UGT jedoch kürzlich auf die Schließung eines Airbus-Werks in Cádiz geeinigt hatten, sahen sie sich gezwungen, einen unbefristeten Streik auszurufen, da sie befürchteten, die Kontrolle zu verlieren, wenn die Wut unter den Arbeitnehmer*innen zunimmt. Jetzt geben die Gewerkschaftsvorstände offen zu, dass sie die Kontrolle über die Situation verloren haben und nicht wissen, wie sie den Beschäftigten befehlen sollen, den Streik zu beenden und Lohnkürzungen und Arbeitsplatzverluste zu akzeptieren.

Und dann ist es die Polizei, die die angespannte Situation mit ihren gewaltsamen Versuchen, den Streik zu zerschlagen, weiter anheizt. Die Bullen marschieren zu den besetzten Betrieben und greifen die Arbeiter*innen nicht nur mit Schlagstöcken und Tränengas an, sondern sogar mit Gummigeschossen und gepanzerten Fahrzeugen. Trotz der gewaltsamen Angriffe halten die Arbeiter*innen von Cádiz ihre Position, indem sie überall in der Stadt brennende Barrikaden errichten, um die Zufahrtswege, Straßen und Brücken zu den Raffinerien zu blockieren, und die Bullen werden immer wieder zurückgeworfen, ohne dass es ihnen gelingt, die Anlagen den achten Tag in Folge von den Arbeiter*innen zurückzuerobern.

[Video auf Twitter gepostet von @Teresa Rodríguez am 22. November 2021]

Updates: #HuelgaMetalCadiz


Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.