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„Ich glaube, dass wir gewinnen werden“ – Zwei Perspektiven zum Thema Verteidigung des Atlanta Waldes

Atlanta. Georgia. Mensch sagt, Atlanta sei eine Stadt in einem Wald. Was passiert, wenn sich Bullen, Projektentwickler und Hollywood zusammentun, um einige der Wälder zu dezimieren, die diese Stadt vorgibt zu schätzen? Im letzten Jahr ist eine breite und vielfältige Bewegung entstanden, um den Wald von Atlanta vor einem geheimnisvollen Vorschlag zu schützen, in einem Waldstück im Südosten von Atlanta eine Trainingsanlage für die Polizei zu bauen, flankiert von einer Drehbühne für Filme. In diesem Interview vom 30. Januar, nur wenige Tage nach einer großen Aktion, die mit einer Handvoll Verhaftungen endete, sprechen wir mit zwei Teilnehmer*innen der Bewegung über ihre Ursprünge, Taktik und aufständische Vision. Sie erzählen, wie sie den Medien einen Schritt voraus waren, die Bullen überlisteten und den Wald durch den Kampf kennenlernten.

Ursprünglich veröffentlicht von Inhabit. Übersetzt von Riot Turtle.

Erzählt uns, was am Freitag, dem 28. Januar, passiert ist.

P1: Am Freitag gab es eine Demonstration zur Verteidigung des Waldes. Etwa sechzig Menschen versammelten sich im Intrenchment Creek Park, dem öffentlichen Teil des Waldes, der bedroht ist. Die Menschen zogen durch den Wald zur Constitution Road, die durch den Wald führt, und dann zur Old Prison Farm, dem Grundstück, das die Stadt in ein Trainingsgelände für die Polizei verwandeln will. Die Demonstrant*innen hielten Ausschau nach dem aktiven Bautrupp, der dort unterwegs war. Bis vor etwa anderthalb Wochen wurde dort nicht wirklich viel gebaut. Schließlich trafen die Demonstrant*innen auf einige Arbeiter*innen, die mit einer Bohrmaschine Bodenproben entnahmen. Die Polizei von DeKalb County bewachte sie. Nach einer kurzen Konfrontation begann die Polizei mit der Festnahme von Personen, woraufhin sich der Demonstrationszug mehr oder weniger auflöste. Vier Personen wurden verhaftet, und der Rest der Menge fand den Weg aus dem Wald.

Wie hat der Kampf begonnen? Vor wem genau verteidigt ihr den Wald? Wer betreibt diese langweiligen Maschinen?

P1: Der Kampf zur Verteidigung des Waldes begann, bevor der Begriff „Defend Atlanta Forest“ geprägt wurde und sich als Bewegung entwickelte. Es gab drei separate Kampagnen, die jahrelang in derselben Region stattfanden, nämlich entlang des South River im Südosten von Atlanta. Eine davon ist das Bemühen um den Erhalt von Constitution Lakes, einem öffentlichen Park, der an die Parzellen angrenzt, über die wir gerade gesprochen haben, den Intrenchment Creek Park und die Old Atlanta Prison Farm. In Constitution Lakes gab es Bemühungen, Wege zu entwickeln und die dortigen Feuchtgebiete zu erhalten, die von einem lokalen Künstler angeführt wurden. Es gab auch Bemühungen, die Old Atlanta Prison Farm vor der Bebauung zu bewahren, und das war eine eigenständige Kampagne. Die formelle Kampagne zur Rettung der Old Atlanta Prison Farm wurde ebenfalls von einigen wenigen Personen angeführt. Nachdem bekannt wurde, dass die Blackhall Studios versuchen würden, den Intrenchment Creek Park zu kaufen und ihn gegen andere Grundstücke in DeKalb County einzutauschen, gab es auch eine Kampagne, die von ein paar anderen Leuten angeführt wurde, um, wie sie es ausdrückten, „den Tausch zu stoppen“. Zur Verdeutlichung: Die Stadt will den Park den Entwicklern des Filmstudios im Tausch gegen das Grundstück überlassen, das sie bereits besitzen und das sie bereits zerstört haben, weil es für sie nicht mehr von Nutzen ist. Also ist es eine Schande.

Die Kampagnen, die das verhindern wollten, arbeiteten zwar zusammen, aber sie hatten keine zusammenhängende Kampfstrategie. Sie haben ihre Kämpfe getrennt voneinander geführt. Als wir also erfuhren, dass die Atlanta Police Foundation beabsichtigte, die Old Atlanta Prison Farm – die sowohl an den Intrenchment Creek Park als auch an die Constitution Lakes angrenzt – in ein Trainingsgelände für die Polizei umzuwandeln, beschlossen wir, dass wir etwas unternehmen mussten. Wir sahen, dass dies etwas war, was sie intern ankündigten, aber sie hatten es nicht mit großem Medienrummel bekannt gemacht. In den ersten Werbevideos nannten sie es sogar „Institut für soziale Gerechtigkeit“ oder etwas ähnlich Absurdes. Wir erkannten auch, dass die Wälder im Südosten von Atlanta systematisch, aber in einer Art Flickenteppich, durch den Bau von Eigentumswohnungen und andere Entwicklungen in diesem Gebiet zerstört wurden. All dies gefährdete diesen Teil der Stadt, der zu den ökologisch vielfältigsten und wichtigsten Gebieten der Stadt gehört. Defend the Atlanta Forest entstand, um auf all diese Eingriffe in den Wald und in Süd-Atlanta zu reagieren. Am Anfang stand der Versuch, zu verdeutlichen, dass all diese Dinge miteinander verbunden sind. Im Grunde sind es keine separaten Kämpfe – es gibt etwas, das sie alle miteinander verbindet. Dass die Polizei, Hollywood und die Entwicklung, die steigenden Mieten und die Gentrifizierung in der Stadt Teil desselben allgemeinen Prozesses zur Sicherung der Profite für die großen Unternehmen, die Regierung, die Geschäftsleute usw. sind.

Die erste Aktionswoche im Juni 2021 war so etwas wie die große Geburtsstunde der Bewegung. Danach gab es eine massive Kampagne gegen den Stadtrat, der sich weigerte, das Land an die Polizeistiftung zu verpachten, um das Trainingszentrum zu bauen. Es gab Camps, zahllose direkte Aktionen gegen die Stadt und die beteiligten Bauunternehmen, eine zweite Aktionswoche und jetzt Baumbesetzungen.

Wir haben die Ankündigung der Trainingseinrichtung für die Polizei vorweggenommen, indem wir ihr den Namen „Cop City“ gegeben haben, und damit sind wir dem Rest des Kampfes ein Stück voraus. Eines der Dinge, die wir die ganze Zeit versucht haben, ist, dem vorauszugehen, was wir aufgrund früherer Erfahrungen erwarten, aufgrund unseres Wissens darüber, wie diese Art von Entwicklungen funktioniert und wovon sie abhängen. Im Jahr 2021 legten wir großen Wert darauf, dass die Menschen im Wald präsent sind, und ermutigten sie, sich dort aufzuhalten und sich mit dem Wald vertraut zu machen. In den letzten Wochen, als die ersten Vermessungsarbeiten stattfanden – es handelt sich nicht um Bauarbeiten, aber es werden große Teile des Waldes zerstört -, wissen wir, dass viele Dutzend Menschen das Gebiet besser kennen und wissen, wie Mensch sich darin bewegt, besser als es noch vor einem Jahr der Fall war.

Um etwas zu wiederholen, was ich von dir gehört habe: Es gab bereits verschiedene Formen, wie dieser Raum kodiert wurde, und dann wurden die Leute ermutigt, dorthin zu gehen und tatsächlich dort zu leben. Das erinnert mich an die ZAD-Strategie, bei der Leute abbruchreife Bauernhäuser besetzten und begannen, das Land zu kultivieren. Wie ist es euch gelungen, den Raum zu re-territorialisieren? Ihr habt einige der Dinge erwähnt, die ihr gebaut habt. Leben dort tatsächlich Menschen? Wie sieht der Wald jetzt für dich aus?

P2: Eine Sache, die wir immer verstanden haben, und vielleicht sagt das nur etwas darüber aus, wie die Bewegung gewachsen ist, war, dass, weil der Wald in unserer Nachbarschaft und Teil unseres Lebens ist – bis zu einem gewissen Grad war er das schon, aber wir haben ihn bewusst mehr zu einem Teil unseres Lebens gemacht -, es eine Art von Austausch mit dem Wald geben würde, der nicht unbedingt wie eine feste Besetzung aussieht. Das gilt auch jetzt noch, und viele von uns, die hier leben, bewegen sich im Wald und haben versucht, das Muster des Kampfes auch so aussehen zu lassen: durch den Wald zu gehen und einen Austausch mit ihm zu haben und ihn zu einem Teil unseres täglichen Lebens zu machen, anstatt unbedingt auf eine feste und dauerhafte Weise dort zu bleiben. Das ist ein Teil unseres Verständnisses. Der Wald ist die Stadt, aber der Wald ist auch in der Stadt, also gibt es eine Art Rhythmus.

P1: Es ist Winter, deshalb ist im Moment nicht so viel los im Wald. Aber wegen der Gentrifizierung in der Stadt haben die DIY-Szenen, wie auch die Musikszenen, viele der Räume verloren, auf die sie angewiesen waren. Das hat dazu geführt, dass der Wald aufgrund der sich überschneidenden Netzwerke zu einer Art regelmäßigem Ort für Shows und Partys wurde. Wenn die Leute aus der DIY-Szene also einen Veranstaltungsort brauchen, machen sie das einfach dort. Das gab es vor der Bewegung nicht.

Das ist einer der Gründe, warum wir viele verschiedene Arten der Beteiligung gefördert haben. Wir schreiben den Menschen nicht vor, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu beteiligen, und so treffen wir oft auf Menschen, die wir noch nie zuvor in unserem Leben gesehen haben, die ökologische Wanderungen organisieren oder große Partys im Wald veranstalten. Die Menschen haben viel Freiheit, mit dem Wald so zu interagieren, wie es für sie sinnvoll ist.

Was die Kartierung und Kodierung betrifft, so haben wir innerhalb der Bewegung, innerhalb des Waldes, Orientierungspunkte benannt, die wir als interne Referenz verwenden. Wenn mensch in der Bewegung ist und in den Wald kommt, kennt mensch diese Orientierungspunkte. Das ist die Art von Dingen, bei denen es wirklich klar ist, dass sie „uns“ gehören, und zwar auf eine Art und Weise, die von feindlichen Kräften, die versuchen, dort hineinzukommen, nicht verstanden werden kann. Überall wurden Wege markiert und verschiedene Arten von Karten erstellt, mit denen die Menschen das Land erkunden können. Wir haben ein Verständnis für die Dinge entwickelt, die sich darin befinden, und können uns auf sie beziehen. Wir alle kennen zum Beispiel das Wahrzeichen, das den Namen „Big Mama“ trägt, eine riesige Kirschbaumeiche in der Nähe von Intrenchment Creek. Sie wurde kürzlich zum „Champion Tree“ erklärt, weil Bäume ihrer Art und Größe in Georgia selten sind. In der Nähe von Big Mama befindet sich auch „The Living Room“, eine Kiefernlichtung im öffentlichen Park des Waldes, die so genannt wird, weil sie frei von Gestrüpp ist und zum Sitzen und Beisammensein einlädt, so dass hier häufig Abendessen, Lagerfeuer, Versammlungen, Filmvorführungen, Aufführungen, Kunstinstallationen und Skillshares stattfinden.

Verrate uns ein wenig mehr über Atlanta selbst. Wie sieht die Kultur in dieser Stadt aus? Wie hängt der Wald mit der Stadt selbst zusammen?

P1: Historisch gesehen ist Atlanta ein schwarzes Mekka der Kultur, aber in den letzten zehn Jahren hat es in der Stadt eine ziemlich aggressive Gentrifizierung gegeben. Die Film- und Fernsehproduktion und die allgemeine Verlagerung dieser Industrie und ihrer zehntausenden hochbezahlten Arbeitskräfte in das Stadtgebiet, die damit verbundenen Immobilien-Spekulation, der Ausbau der Universitäten und die Rolle, die dies bei der so genannten „Stadterneuerung“ spielt, Investitionen im Zusammenhang mit dem Flughafen und Delta, die Expansion der Tech-Industrie, u. a. durch Microsoft und ähnliche Unternehmen – all dies sind große Faktoren, die bei der Gentrifizierung der Stadt eine führende Rolle gespielt haben, aufbauend auf einem Prozess der Umstrukturierung und Sparmaßnahmen, der im Vorfeld der Olympischen Spiele 1996 begann. Die Stadt verändert sich rasant, und dazu gehört ein enormer Zustrom von gut bezahlten Arbeitskräften, Investoren, weißen Verbraucher*innen und Geschäftsinhaber*innen sowie eine völlig neue Schicht von Vermieter*innen und internationalen Immobilienverwaltungsgesellschaften. In vielerlei Hinsicht spiegelt dies Muster wider, die überall auf der Welt zu beobachten sind, aber es gibt nicht einmal sozialdemokratische Überprüfungen oder Kontrollen, z. B. in Bezug auf die Verdrängung historischer – überwiegend schwarzer – Einwohner*innen, Mietkontrollen, Mieter*innenrechte oder irgendetwas in dieser Art.

P2: Atlanta gilt in vielerlei Hinsicht als das neue Hollywood, und mit der Umstrukturierung der Wirtschaft seit der Pandemie und dem Aufstand ist Atlanta eine der Städte im Süden, die einen Zustrom von Menschen aus dem ganzen Land verzeichnen konnte. Die Menschen fliehen aus anderen Städten und ziehen in den Süden. Das ist einer der Gründe für die Dynamik hier. Die Menschen verlassen L.A., Kalifornien im Allgemeinen und auch den Nordwesten – wegen der Arbeit, aber auch wegen der Waldbrände und der Umweltbelastungen im Allgemeinen. Atlanta ist eine Stadt der Bäume und hat eine politische Kultur rund um Bäume und den Respekt vor Bäumen, die ich als Neuankömmling hier noch nicht ganz verstehe. Aber ich weiß, dass sie etwa fünfzig Jahre zurückreicht, bis zu einer Zeit, als man sich in den siebziger Jahren bewusst darum bemühte, Bäume in der Stadt zu pflanzen. Es ist ein Teil der Kultur hier, wo das natürliche Leben auf eine politische Art und Weise anerkannt wird, die ich in anderen mir bekannten Städten nicht gesehen habe.

P1: Das Leitmotiv ist, dass Atlanta eine Stadt im Wald ist. Offensichtlich ist dies ein wichtiges Gesprächsthema für die Bewegung, da die Atlanta Police Foundation mit Hilfe von Reeves Young, ihrem Bauunternehmer, versucht, die größte „Grünfläche“ der Stadt zu zerstören.

Wie haben die Polizei und die Presse auf euch reagiert? Wie hat sich der Widerstand entwickelt?

P1: Die Polizei hat sich im Allgemeinen ziemlich zurückhaltend verhalten. Die ersten Verhaftungen in der Bewegung gab es am Freitag, also vor zwei Tagen. Wenn in letzter Zeit Leute auf dem Teil des Waldes, der zur Old Prison Farm gehört, erwischt wurden, wurden sie wegen unerlaubten Betretens verwarnt oder in Gewahrsam genommen und befragt, aber bis jetzt wurde noch niemand verhaftet. Im Allgemeinen war die Polizeipräsenz im Wald fast gleich null.

P2: Sie sind auf dem Rückzug. Die Bewegung entstand vor der offiziellen Bekanntgabe der Absicht, das Trainingsgelände für die Polizei zu bauen. Um herauszufinden, dass sie dies mit dem Gelände vorhatten, hätte mensch lange suchen müssen. Die Bewegung kam der Ankündigung zuvor, und seither versuchen sowohl die Polizei als auch die Politiker*innen in den Medien, die von uns aufgebaute Erzählung zu korrigieren. Im Moment gibt es so etwas wie eine Abrechnung, denn die Polizeistiftung hat den Pachtvertrag für das Grundstück und fühlt sich eher berechtigt, den Raum zu nutzen, und so schreitet der Bau aktiv voran. Es sieht auf jeden Fall so aus, als ob sie auf das reagieren, was die Bewegung vorschlägt.

Die Polizei hier hält sich im Allgemeinen ziemlich zurück, wenn es um politische Ereignisse oder Bewegungen geht. Der Sommer 2020 war insofern ein Novum, als die Polizei ihre Handschuhe ausziehen musste, weil er so außer Kontrolle geraten war. Aber wenn es einen Protest oder etwas ähnliches gibt, siehst du die Polizei in der Regel nicht einmal. Sie ist immer da – zwei Blocks entfernt stehen zehn Streifenwagen – aber es ist nicht wie bei der NYPD, wo sie direkt mit der Menschenmenge marschieren.

P2: Sogar bei der Räumung des Camps Anfang Dezember begleitete die Polizei DeKalb Parks and Rec. Es war also das County Parks and Recreation Department, das die eigentliche Räumung durchführte, die durch die Anwesenheit der Polizei leicht erzwungen wurde. Soweit wir wissen, gab es jedoch nur minimale Überwachung oder polizeiliche Maßnahmen gegen die täglichen Aktivitäten. Und seit etwa zehn Monaten gibt es regelmäßige, beständige Aktivitäten in den Wäldern, auf beiden Parzellen.

P1: Was die Medien angeht, so war die Berichterstattung etwas gemischt. Ich würde sagen, dass es eine Menge positiver Berichterstattung von lokalen oder DIY-Nachrichtenkanälen gab. So sehr, dass jetzt fast immer, wenn die Bewegung erwähnt wird, es mit dem Vorwort, dass die Polizei-Trainingseinrichtung eine breite Opposition in der Bevölkerung hat. Aber es erschienen auch einige eindeutig negative Artikel.

P2: Das wichtigste Nachrichtenorgan in Atlanta, die Atlanta Journal Constitution, hat gemeinsame Interessen mit der Polizei-Stiftung von Atlanta. Es gibt einige Leute in der Bewegung, die der Beziehung zwischen den Mainstream-Medien und der Polizei-Stiftung von Atlanta und deren gegenseitiger Unterstützung große Aufmerksamkeit schenken. Wie im Rest des Landes gibt es eine Menge Aufmerksamkeit für die angebliche „Verbrechenswelle“, die vorzuschlagen scheint, dass die Polizei noch mehr Ressourcen erhalten sollte. Da Cop City so umstritten geworden ist, finden diese Erzählungen, die indirekt die Trainingseinrichtung der Polizei unterstützen, große Beachtung.

Wie sah der Wald aus, bevor der Kampf ausbrach? Das Ökosystem in Atlanta ist wirklich vielfältig, und der Gedanke, dass es an diesem besonderen Ort bereits eine Durchdringung von Stadt und Land gibt, ist wirklich interessant.

P1: Irgendwann war es ein Milchviehbetrieb, und dann wurde es in den frühen 1900er Jahren in eine Knastfarm umgewandelt. Es gibt auch einige sehr alte Bäume, aber ein Großteil der Bäume ist in den letzten fünfundzwanzig bis fünfundsiebzig Jahren neu gewachsen. Dieser Wald ist für die Klima-Resilienz von Atlanta sehr wichtig. Er ist das, was von dem Wachstum übrig geblieben ist, das seit der Bewirtschaftung durch Strafgefangene entstanden ist. Wir müssen den Wald wachsen lassen und nicht nur diesen Teil des Waldes retten, verteidigen oder schützen. Aber es ist auch ein Ort tiefer historischer Traumata, die mit einem bewusst rassistischen Erbe von Brutalität und Enteignung verbunden ist. Dieser Wald und der Rest der Stadt waren vor der Zwangsumsiedlung der Indigenen in den 1830er Jahren Muscogee (Creek) Territorium.

P2: Für die Zukunft ist es wirklich wichtig, dass das gewalttätige Erbe dieses Landes überwunden wird. Der Bau eines Trainingszentrums für die Polizei setzt dieses Erbe fort. Die bestehenden Knäste und die Jugendvollzugsanstalt, die immer noch am Rande des historischen Gefängnisfarms betrieben werden, setzen dieses Erbe fort. Alles, was der Kontrolle durch den Sozialbereich geopfert wird, alles, was vor der Gesellschaft versteckt werden muss, wird in diese Zone verlegt – und doch ist dies eine der schönsten und reichhaltigsten Zonen, voll von natürlichem Leben. Es ist auch ein Ort, der die unkontrollierbaren Aspekte des städtischen Lebens anzieht. Man kann in den Wald gehen, und die Polizei hat Angst, dorthin zu gehen; es ist eine Art Geistergebiet. Du kannst dort sein und es ist ruhig, du kannst nicht sehen, was vierzig Meter von dir entfernt passiert. Die Wälder am South River sind nach einer Analyse der Stadt die ökologisch wichtigsten Gebiete in Atlanta, und es gab einen großen Vorschlag, sie in geschützte Parks, einen „Öko-Korridor“, umzuwandeln. Aber sie haben das alles aufgegeben, um den Wald zu zerstückeln und in Vertriebszentren für Amazon, Filmkulissen und das buchstäbliche Einsperren von Kindern an der Peripherie des geplanten Cop City Ballistik-Feldes zu verwandeln.

Es scheint wichtig zu sein, dass ihr euch speziell gegen eine Trainingseinrichtung der Polizei wendet, was diesen Kampf auch mit der George Floyd Revolte verbindet.

P1: Aus Sicht der Stadt ist dieses Projekt offensichtlich mit der George-Floyd-Bewegung verbunden. Aus unserer Sicht ist es auch offensichtlich, aber vom entgegengesetzten Standpunkt aus. Die Vertreter*innen der Stadt sprechen ausdrücklich von einer sinkenden Arbeitsmoral der Polizei, wenn sie über dieses Projekt sprechen, sie sprechen vom Anstieg der Kriminalität und so weiter und so fort. Andererseits sind wir der Meinung, dass der Versuch, ein hochmodernes Trainingsgelände für die Polizei zu bauen, im Sog einer der größten Anti-Polizeibewegungen in der Geschichte der USA unverantwortlich ist. Aber das ist ihre Antwort auf die Wirtschaftskrise, mit der die meisten Menschen gerade konfrontiert sind, und so gibt es eine Krise der lebenswerten Existenz. Für mich ist das eine Antwort auf der George-Floyd-Aufstand, aber auch eine Vorwegnahme dessen, wie der weitere Klimawandel aussehen wird. Ihre einzige Antwort ist mehr Polizei, und so ist die einzige Antwort, die sie auf alle Probleme in der Stadt geben können, mehr Polizei. Für die Mittelschicht und die wohlhabenden Leute ist die einzige Antwort mehr schlechte Unterhaltung, mehr Netflix, mehr Isolation zu Hause, um die Dinge zu sehen, die Blackhall Studios produziert, um sich von dem abzulenken, was draußen passiert. Und so lautet unsere Botschaft: „Geht nach draußen, geht in den Wald, lasst uns diese Dinge stoppen.“

P2: Der Verlauf des Kampfes ist auch völlig anders als beim George-Floyd-Aufstand. Er hat einfach ein ganz anderes Ausmaß. Es gibt eine Dynamik zwischen den direkten Aktivitäten im Wald und den Petitionen an die Stadt, und es gibt einen Rhythmus zwischen den beiden im Kampf, der den Leuten, die an den direkten Aktivitäten beteiligt sind, hilft, sich ein wenig Ruhe zu verschaffen. Einige Leute haben die physische Verteidigung des Waldes, die physische Präsenz von Menschen im Wald, in den Vordergrund gestellt, und andere haben sich auf Petitionen an die Stadtverwaltung konzentriert, um zu versuchen, das Projekt zu stoppen. Es wurde auch viel Druck auf die an dem Projekt beteiligten Bauunternehmen ausgeübt. Es gab eine Demonstration vor dem Büro von Reeves Young, einer der wichtigsten Baufirmen, und es gibt eine Art kontinuierlicher Bemühungen, Druck auf diese Firmen auszuüben. Bis zu den letzten anderthalb Wochen gab es im Wald keinen direkten Druck auf die Bauunternehmen. Es fand alles in den Vororten statt, mit Leuten, die bei Büros, Häusern von Leuten und so weiter auftauchten.

P1: Als Reaktion auf die Widerstände haben sie versucht, Cop City zu einem öffentlichen Park zu machen. Sie wollen, dass die Leute mit der Polizei interagieren, und sie denken, dass die Leute ihre Hunde neben dem SWAT-Training spazieren führen wollen, das dort tatsächlich schon stattfindet. Im Wald gibt es einen Schießstand der Polizei, auf dem sie einen Schulbus in die Luft jagen. Überall im Wald sind Tränengaskanister zu finden. Es wird so getan, als würden riesige Mengen an Grünflächen erhalten bleiben, als würde es umweltfreundlich sein. Das ist die Außendarstellung. Es ist ein großes Spektakel. Es ist witzig, denn als sie es zum ersten Mal ankündigten, war klar, dass sie mit der Anlage die Polizei auf regionaler Ebene ausbilden wollen, um sich auf Aufstände in den Städten vorzubereiten und das Bewegen durch Städte und solche Dinge zu trainieren. Dafür müssen sie den Wald abholzen, um eine Anlage zu bauen. Und wir lernen, uns durch den Wald zu bewegen, eine andere Art von Terrain, um auf sie zu reagieren.

Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Könnt ihr uns ein wenig über die aktuelle Situation erzählen?

P1: Sie haben noch nicht mit dem Bau des Trainingszentrums für die Polizei begonnen. Sie haben einen Großteil der Arbeiten erledigt, die für den Baubeginn erforderlich sind, aber das sind nur Vorarbeiten. In diesem Sinne ist die Bewegung sehr jung und hat potenziell eine lange Zukunft vor sich. Auch mit dem Blackhall Studios-Projekt haben sie noch nicht begonnen. Sie könnten 170 Hektar abholzen, wann immer sie wollen, aber sie werden aufgehalten.

Wir haben uns auf dieses Thema eingelassen, weil wir wissen, dass es ein langfristiger Kampf sein wird. Wir wissen, dass es Jahre dauert, bis diese Projekte umgesetzt werden. Wenn es Widerstand gibt, führt das zu Verzögerungen, verlangsamt sie und macht sie teurer. Das ist etwas, das wir jetzt erleben. Dadurch werden Investitionen in Frage gestellt und all das. Wir nähern uns jetzt dem zweiten Jahr des Kampfes, und ich denke, dass er für viele Menschen zu einer Art Dauerbrenner geworden ist.

Im Moment ist die Bewegung noch recht klein, aber die Größe schwankt. Es gibt eine Menge Leute, die irgendwann einmal dazugehört haben. Viele Leute sind durch die Bewegung gezogen und kommen vielleicht eines Tages zurück. Prominente Mitglieder*innen von Atlanta Bike Life haben Propagandavideos für die Bewegung gedreht. Die DSA hat sich beteiligt. Anarchist*innen haben sich beteiligt. Die Kommunalwahlen wurden teilweise aufgrund der Waldproblematik entschieden – es gab Veränderungen und Politiker*innen die ihre Sitze verloren haben. Also haben sich sogar Lokalpolitiker*innen beteiligt.

Es gibt keine zentrales Bündnis oder ähnliches, aber die Anzahl der verschiedenen Personen, die sich an der Bewegung beteiligt haben, ist beachtlich. Und das liegt daran, dass sie als eine Bewegung ohne Definition entstanden ist, zumindest ohne eine bestimmte Definition. Dadurch wurde es so vielen Menschen wie möglich ermöglicht, so zu handeln, wie sie es für richtig hielten, und es wurde ihnen ein Weg und eine Plattform geboten, dies zu tun, zum Beispiel durch die Aufrufe zu Aktionswochen oder die Aufrufe, im Wald zu sein. Dennoch glaube ich, dass es einen allgemeinen Wunsch gibt, etwas Neues zu schaffen, etwas, das mehr ist als nur die Summe seiner Teile.

Es gibt also verschiedene Gruppen, Entitäten, Menschen und Organisationen, die alle durch den Kampf aktiviert, neu kombiniert und auf diese Weise neu koordiniert werden. Das scheint eine Sache der Generationen zu sein, als würde die Zusammensetzung jetzt andere Dinge in der Zukunft möglich machen? Es ist ein bisschen spekulativ, aber wir denken zum Beispiel an die Zapatistinnen. Die Zapatistinnen sind eine wirklich fortschrittliche Art von Widerstand gegen die Ausbeutung von Land, wenn mensch so will, oder ein ökologischer Verteidigungskampf, der territorial angelegt ist. Und jetzt durchdringen sie buchstäblich andere Bewegungen mit ihrer Energie. Ich bin mir sicher, dass es ein bisschen früh ist, um zu sagen, dass das hier passiert, aber was du beschrieben hast, klingt super aufregend und ich kann mir vorstellen, dass es sich für die Leute gut anfühlt, ein Teil davon zu sein. Vielleicht gibt es neue Wege für Menschen, sich auf diesen Moment zu beziehen, als eine Erinnerung, die sie auf irgendeine Art und Weise mit sich herumtragen.

P1: Auf jeden Fall, das war ein wichtiger Punkt für uns. Wir wollten, dass die Leute sinnvolle Erfahrungen machen, vor allem, wenn sie zum ersten Mal mit direkten Aktionen wie dem George-Floyd-Aufstand in Berührung gekommen sind. Das ist eine extrem hohe Messlatte, aber neue Erfahrungen im Wald zu machen, ist heilsam und wirklich kraftvoll. Das ist wirklich wichtig, um sich mit der Stadt und dem Land, das mensch verteidigt, verbunden zu fühlen. Wenn man sich in einen Baum setzt, weiß man, was das für ein Gefühl ist, also ist es eine große Sache, wenn viele Menschen durch den Wald gehen und gemeinsam kämpfen. Wir wollten nicht, dass die Bewegung ausschließlich vom Erfolg eines dieser Projekte abhängt, sondern dass es darum geht, die Stadt auf lange Sicht zu verteidigen. Die Lebensqualität der Stadt – nicht nur angesichts des Klimawandels, sondern auch angesichts der Erschließung und angesichts der Polizei. Das ist ein langfristiger Kampf.

Vielen Dank für dieses Gespräch mit uns. Gibt es irgendetwas, das ihr hinzufügen wollt, irgendetwas, das wir übersehen haben?

Die Bewegung ist ganz natürlich gewachsen – weil sie verlangt, dass mensch in den Wald kommt, und wenn mensch dort ist, sieht und weiß mensch, wie wichtig es ist, für den Wald zu kämpfen. In der ganzen Stadt gibt es tiefe Beziehungen zwischen Menschen, die schon seit Jahrzehnten Seite an Seite kämpfen. Ihr Projekt hat keine Legitimation. Wir brauchen nicht noch mehr Training für die Polizei, aber wir brauchen mehr Wald. Vorerst werden noch mehr Menschen den Wald auf neue Art und Weise nutzen und mit verschiedenen Möglichkeiten der Verteidigung des Raums experimentieren. Es werden viele verschiedene Anstrengungen unternommen, von direkten Aktionen bis zu medialen und rechtlichen Möglichkeiten. Es gibt eine Dynamik in all diesen Richtungen, und die Bewegung respektiert die verschiedenen Ansätze. Wir sind begeistert von dem Potenzial der Bewegung und von dem, was die Zukunft bringt. Dies ist eine neue Art des Kampfes, und ich glaube, dass wir gewinnen werden.

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