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Tag 5 im Ella Prozess: Plot twist in der Zeugenaussage

Am Dienstag, den 15. Februar, fand der fünfte Prozesstag im Berufungsverfahren der inhaftierten Klima-Aktivistin Ella statt. An diesem Tag waren die vier SEK-Beamten als Zeugen geladen, die an der Räumung von Ella beteiligt waren und die beim Prozess in der ersten Instanz in Alsfeld teilweise behaupteten, Ella hätte sie „getreten“. Zwei der vier Beamte sind außerdem Nebenkläger im Verfahren gegen Ella.

Ursprünglich veröffentlicht von Wald statt Asphalt.

Heute morgen kam es aber dann zu einer Überraschung. Der erste geladene Zeuge, K214, wich eindeutig von seiner bisherigen Erzählung aus Alsfeld ab. Der Hintergrund dafür: Die Ella entlastenden Beweisvideos der Räumungssituation wurden endlich im Oktober 2021 in der Dokumentation „Ella“ veröffentlicht. In der Doku wurde rekonstruiert, wie viele der Aussagen der SEK-Beamten nicht stimmen und somit die Unverhältnismäßigkeit der Strafe aufgezeigt.

Deswegen konnte SEK-Beamter K214 in der zweiten Instanz nicht mehr bei seiner Erzählung aus Alfeld bleiben, laut der er „getreten“ worden und in Lebensgefahr gewesen sei. Bei seiner Zeugenaussage konnte sich sich K214 teilweise an bestimmte Situationen nicht mehr erinnern, teilweise meinte er, er sei „selbst überrascht gewesen“, dass er sich bei vielen Darstellungen so getäuscht habe. So erkannte er zum Beispiel, dass er „ja doch gesichert gewesen sei“. Auch die anderen SEK-Beamten konnten sich plötzlich nicht mehr an bestimmte Sachverhalte erinnern, die sie in Alsfeld noch behauptet hatten. So erinnerten sie sich nicht, ob sie selbst nach der Räumung von Ella mit Hebebühnen herabgelassen wurden oder eigenständig herunterkletterten.

Für Ella ist es wahrscheinlich jedoch leider egal, dass die Falschaussagen der Beamten jetzt identifiziert wurden. So oder so scheint es wahrscheinlich, dass sie am Ende des Verfahren aus dem Gefängnis kommt. Entweder, weil sie freigesprochen wird, ihre Strafe abgemildert wird, oder weil sie bei gleich bleibendem Urteil mehr als die Hälfte ihres Urteils abgesessen hat und somit kein Fluchtgrund mehr bestünde.

Als Ende der Verhandlung wurde der 10.03. als zusätzlicher Termin im Verfahren beschlossen. Der Richter deutete jedoch an, dass er sich auch vorstellen könnte, das Urteil bereits am 01.03. zu verkünden. Aber erstmal findet der nächste Verhandlungstermin diesen Freitag, 18.02., um 9 Uhr in der Außenstelle des Landgerichts Gießen statt.

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